Abtei von Val-Dieu – die letzte Bier brauende Abtei Belgiens

Titelbild Abtei

Unweit des Ortes Aubel im Nordosten der Provinz Lüttich verbirgt sich in einem Tal, umgeben von Wiesen und Wäldern die Abtei von Val-Dieu, in der ein beliebtes Bier gebraut wird. Warum dieses Bier sich theoretisch als einziges der belgischen Abteibiere so nennen dürfte, welche anderen Spezialitäten es in der Abtei zu probieren gibt und was der Teufel in diesem Tal zu suchen hatte möchte ich euch in diesem Blogbeitrag erzählen.

Geschichte

Gründung der Abtei Val-Dieu

Vor mehr als 800 Jahren schenkte der Herzog von Limburg einer Zisterziensergemeinschaft ein Stück Land und den darum liegenden Wald am Flüsschen Berwinne. Auf diesem Land errichteten die Zisterzienser eine Kirche und gründeten somit die Abtei Val-Dieu.
Mit den Jahrzehnten wuchs die Zisterziensergemeinschaft, die sich mit den Produkten aus ihrem Garten und dem umliegenden Wald selber ernährte, immer weiter heran. Doch durch zahlreiche politische und religiöse Konflikte in der Region leidet die weitere Entwicklung der Klostergemeinschaft. Die Anlage wird mehrere Male in Brand gesetzt oder geplündert. Danach folgt eine Periode mit finanziellen Problemen. Die neuen Landvögte fordern immer mehr Steuern. Diese ist nur schwer von der selbst versorgenden Klostergemeinschaft zu bezahlen.

Brücke Abtei
Im Abteipark steht eine jahrhundertealte Steinbrücke. Ein stummer Zeuge längst vergangener Zeiten.

Kurze Blütezeit und Verfall

Erst ab 1640 erlebt die Abtei wieder eine Blütezeit. Durch die Zunahme der Bewohner werden die finanziellen Probleme der Abtei bei Seite geschaffen. Die Gebäude werden ausgebaut und das Areal der Abtei gewinnt an Fläche. Als Folge der Französischen Revolution wird die Abtei 1794 jedoch geschlossen. Die Mönche werden vertrieben.
Als ein Abt die geplünderte Abtei nur wenige Jahre später kaufte, rettete er damit ihr Fortbestehen. Doch an den Erfolg der einstigen Zisterziensergemeinschaft konnte man nicht mehr anschließen. Die Gebäude verwaisten zusehend und die Kirche wurde Teilweise abgebrochen. 1839 stürzte die Kirchturmspitze in sich zusammen. Der Tiefpunkt war erreicht.

Neues Leben in der alten Abtei

Nur ein Jahr später wohnten wieder Mönche in der Abtei. Der Wiederaufbau der völlig heruntergekommenen Abtei stand nun im Mittelpunkt. Die neue Gemeinschaft sorgte dafür, dass der Gebäudekomplex letztendlich 1921 unter Denkmalschutz gesetzt werden konnte. Die Abtei von Val-Dieu war gerettet. 1934 erhält die Abtei und die Kirche mit seinem neuen Turm das Aussehen, welches wir auch heute noch kennen.

Abteikirche
Auch wenn sie sehr alt aussieht, die Kirchturmspitze ist das jüngste Bauwerk der Abtei.

Die Mönche verlassen die Abtei

Erst 2001 verlässt der letzte Mönch die Abtei. Seit dem wird sie jedoch von einer religiösen Gemeinschaft geführt, die die Bräuche der Zisterzienser weiter am leben erhalten möchte. Heute kann man über die Website der Abtei Führungen buchen und neben den alten Gebäuden auch die Brauerei besichtigen.

Die Abtei

Der Gebäudekomplex der Abtei Val-Dieu besteht aus einer Abteikirche, dem Palast der Äbte mit der Bibliothek. Hier befindet sich die Tourismusinformation und starten die Führungen durch die Abtei. Des Weiteren gibt es noch ein Kloster und eine U-förmiges Portal mit Stallungen. In letzterer befindet sich heute die Brauerei und ein kleiner Abteiladen.

Palast der Äbte
Der Palast der Äbte sticht aus den Gebaüden am gesammten Innenhof hinaus.

Der Abteiladen

Der Abteiladen führt eine große Auswahl an regionalen Produkten. Neben dem Bier, dem Käse und dem Cidre, die in der Abtei hergestellt wird, findet man auch andere Köstlichkeiten, die die Region zu bieten hat. Darüber hinaus gibt es auch eine sehr großes Sortiment an religiösen Objekten. Von Karten über Kreuze und Kerzen bis hin zu sämtlichen Büchern wird hier wohl jeder fündig. Wer möchte kann an der Kasse auch nach einer Schnitzeljagd fragen. Um diese zu lösen, muss man einige Fragen beantworten, die sich mit der Abtei beschäftigen und Augen und Ohren offen halten um ihre Antwort zu finden. Vor allem Kinder haben hier gefallen dran.

Portal
Rechts neben dem Portal befindet sich der Abteiladen, in dem man neben Käse und Bier noch viele andere Späzialitäten kaufen kann.

Das Restaurant „Casse Croûte“

Im alten Kuhstall der Abtei findet man heute ein kleines Restaurant. Hier stehen natürlich die hauseigenen Spezialitäten auf dem Speiseplan. Die für die Region um Lüttich typischen Bouletten mit verschiedenen Saucen sowie Schinken aus Aubel oder eine Käseplatte mit verschiedenen Käsen aus der Abtei und seiner Umgebung gehörten genau so zum Sortiment wie das frischgebraute Abteibier. Abgerundet wird das Angebot mit einer Vielzahl leckerer Fläden und Kuchen.

Die Abteikirche

Der 37m hohe Kirchturm ist der einzige Teil der Abtei, den man von Weiten schon im Tal erkennen kann. Nur wenige Elemente der ursprünglichen Kirche aus dem 13. Jahrhundert sind erhalten geblieben. So zum Beispiel die Sakristei, einzelne Mauerteile der seitlichen Kapellen und die Einrahmung des Hauptportals. Im Inneren ist das Taufbecken noch aus der alten Kirche zu bewundern. Die vielen, reich verzierten Fenster erhellen das Gotteshaus, in dem immer wieder Konzerte gespielt werden.

Innere der Kirche
Die Architektur im Inneren der Kirche ist ein Besuch wert!

Der Park

Hinter dem Kloster befindet sich ein weitläufiger Park. Der Eingang dazu liegt direkt neben der Brauerei. Oft stehen bei schönem Wetter die großen Pforten offen und man kann einen Blick auf die großen silbernen Kessel werfen, in dem das Bier reift. Im Park findet man viele sehr alte und majestätische Bäume. Über einen Rundweg kann man einmal quer durch den Park gehen. Hier und da gibt es keine Abzweigungen. Es geht unter eine liebevoll restaurierte alte Steinbrücke am Flüsschen Berwinne entlang oder durch den Laubwald bis auf eine kleine Anhöhe, von der man eine schöne Aussicht über die Abtei hat. Oder man überquert auf eine kleine Brücke den Teich, auf dem man die Enten beobachten kann.

Zu jeder Jahreszeit ein Besuch wert

Jede Jahreszeit hat hier seinen Reiz. Im Frühling laden die vielen bunten Tulpen und Narzissen in den gepflegten Beten zu einem Spaziergang ein. Im Sommer kann man sich im Fluss erfrischen oder im Schatten der großen Bäume der Hitze entkommen. Vor allem aber im Hebst, wenn die riesigen Kastanien und Eichen ihre Früchte abwerfen und das Laub in vielen Farben strahlt, haben vor allem die Kinder einen Spaß. Der Winter wiederum packt die ganze Anlage in eine verträumte Schneelandschaft.

Abteipark
Im Park der Abtei stehen einige uralte Buchen und Kastanien.

Bier aus der Abtei von Val-Dieu

Das Bier der Abtei von Val-Dieu ist weit über seine Grenzen hinaus bekannt. Es wird nämlich als einziges der belgischen Abteibiere auch wirklich innerhalb der Mauern einer Abtei gebraut. Kein anderes Abteibier in Europa wird noch in seiner ursprünglichen Umgebung gebraut. Somit ist es echt eine Besonderheit. Das Bier der Abtei Val-Dieu gibt es in fünf verschiedenen Sorten:

Blonde – helles Bier mit einem Alkoholanteil von 6%

Brune – dunkles, rubinrotes Bier mit einem Alkoholanteil von 8%

Triple – dunkelblondes Bier mit einem Alkoholanteil von 9%

Grand Cru – dunkelbraunes Bier mit einem Alkoholanteil von 10,5%

Bière de Noël – bernsteinfarbenes Bier mit einem Alkoholanteil von 7%, welches nur von Dezember bis Januar erhältlich ist.

Brauerei
In diesem alten nebengebäude des Abteihofes befindet sich die Brauerei. Die einzige Brauerei Belgiens innerhalb einer Abtei.

Wie fas alle belgische Biere, serviert man auch das Abteibier von Val-Dieu in deinem dazu passenden Glas. Wie schon erwähnt, kann man das Bier frisch vom Fass im Restaurant im Innenhof der Abtei trinken. Oder aber man kauft es im Abteiladen und genießt es zuhause. Zusammen mit den anderen leckeren regionalen Köstlichkeiten kann man das Bier jedoch auch gut in einem Präsentkorb verschenken. Gut das es die Biere in dieser Form auch direkt vor Ort zu kaufen gibt :).

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