Alden Biesen – ein Schloss zwischen Obstbäumen

Man muss nicht gleich an die Loire oder nach England, um schöne alte Schlösser zu besichtigen. Belgien hat auch so einige zu bieten. Ein ganz besonderes Schloss steht mitten in den Obstplantagen in der Provinz Limburg, nahe Tongeren. Ausgerechnet ein Feuer hat dieses geschichtsträchtige Gebäude gerettet und zu dem gemacht, was es heute ist: ein internationales Kulturzentrum mit historischem Umfeld. Aber vorher belebte es ein Ritterorden…

Schlosskapelle
Alles begann mit einer kleinen Kapelle

Es war einmal eine Kapelle…

Die Geschichte des Schlosses beginnt 1220 mit der Niederlassung eines Ritterordens als sogenannte Kommende. Graf Arnold III. von Loon wollte die Kreuzfahrer des Deutschen Ordens unterstützen und schenkte ihnen eine Kapelle und die umliegenden Ländereien. Der Ritterorden baute dort dann ein Hospital und daraus entwickelte sich über Jahrhunderte das heutige Wasserschloss und den Rest der Anlage. Jede neue Epoche brachte Umbauten oder neue Gebäude mit sich. Die jeweiligen neuen Landkomture (quasi die „Chefs“ der Ritter) wollten dem Schloss einen persönlichen Touch geben. So wurde nun viel weniger Geld in die Kreuzzüge gepumpt und dafür in die vielen Besitztümer des Ritterordens, um sie immer prachtvoller zu machen. Mit kurzer Unterbrechung verweilte der Ritterorden bis zur französischen Revolution im Schloss. 1797 wurden sie dann auch von den Revolutionären vertrieben und gaben das Schloss auf.

Schloss mit Nebengebäude
Mit der Zeit breitete sich der Ritterorden um das Schloss aus.

Über das (beinahe) Ende vom Schloss

Nachdem der Ritterorden das Schloss verlassen hatte wurde es versteigert. Über Jahrhunderte wechselte das Schloss die Besitzer. Es wurde immer wieder verkauft, doch niemand hatte genug Geld, um das Anwesen zu unterhalten. So verfielen die Gebäude immer mehr, die kostbare Inneneinrichtung wurde mit und mit verkauft. Zuletzt wurden die Ruinen rund um das Wasserschloss, welches als einziger Teil der Anlage noch bewohnbar geblieben war, über mehrere Generationen der Familie du Vivier. Am 8. März 1971 brannte das Wasserschloss bis auf die Mauern aus. Nur einige Malereien und Möbel wurden in letzter Minute gerettet. Der Großbrand zerstörte das, was nicht mit den Jahrhunderten zu Ruinen zerfallen war.

Wasserschloss mit Graben
Der Wassergraben schützte die umstehenden Gebäude vor den Flammen.

Wie Phoenix aus der Asche…

Nach jahrzehntelanger Restauration blühen das Schloss und seine umgebenden Gebäude nebst Gärten nun wieder auf. Als eines der größten Kulturerbestätten Flanderns begrüßt die ehemalig Landkommende heute regionale, aber auch internationale Gäste. Auf dem Schloss werden nun Kongresse und Tagungen genau so organisiert wie historische Ritterspiele oder Volksfeste. Die liebevoll nach historischen Vorbildern wieder angelegten Gärten und der große Park im englischen Landschaftsstil rahmen das Gesamtbild ab.

französischer Garten
Ein akkurater französischer Garten werten das Schloss auf.
Blick auf das Schloss vom englischen Landschaftspark aus.

Historische Sammlung

Seit den 1980ern gibt es in Alden Biesen auch eine große Sammlung an Dokumenten, Fotos, Schriften und Bücher über das Schloss. Einige davon stammen noch aus dem Mittelalter. Wer gerne in diesen alten Unterlagen schmökert, kann entweder online in zur Verfügung gestellten Dokumenten lesen oder nimmt Kontakt auf mit der Schlossbibliothek.

Andy

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