Antwerpen – eine alte Hafenstadt mit ganz viel Charme

In diesem Blogbeitrag möchte ich euch mal zeigen wie ein typischer Tagesausflug in eine belgische Stadt bei mir aussehen kann. Gleichzeitig präsentiere ich euch dabei die nächste Provinzhauptstadt der Reihe „die 12 Hauptstädte Belgiens“: Antwerpen!
Antwerpen eignet sich perfekt für einen Tagesausflug. Es gibt zwar in der alten Hafenstadt sehr viel mehr zu entdecken als man an einem Tag sehen kann, aber um sich einen ersten Eindruck von der multikulturellen Stadt Antwerpen zu machen möchte ich euch folgende Stadtwanderung präsentieren:

Ein prunkvoller Empfang

Grundsätzlich empfehle ich in ganz Belgien die Öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Nicht nur weil die belgischen Autobahnen und Straßen in den Innenstädten meisten hoffnungslos überfüllt sind, sondern auch weil man sich mit Zug, Metro und Bus in Belgien schnell, günstig und einfach fortbewegen kann.
Wenn man eine belgische Stadt unbedingt mit dem Zug besuchen sollte, dann ist es Antwerpen. Der Grund ist der prachtvolle Empfang, den man im Bahnhof von Antwerpen Centraal – dem Hauptbahnhof Antwerpens erlebt. In vielen Reiseführern wird er mit Kathedralen und Palästen verglichen und dies ist auch nicht untertrieben. Das mit viel Marmor, Glas und Stahl 1905 eröffnete Bahnhofsgebäude zählt zu den schönsten der Welt. Es wurde 2007, nach einer gründlichen Renovierung und unterirdischen Erweiterung, neueröffnet und strahlt seitdem wieder in neuem Glanz.

Um in die Innenstadt zu gelangen folgt man nun die mit zahlreichen Restaurants und einigen Geschäften gesäumte Keiserley. Diese geht am Tenierstplaats direkt über in die prachtvolle Einkaufsstraßen Leystraat und Meir. Früher flanierten hier die Schönen und Reichen durch die Geschäfte um Luxusgüter aus Allerwelt zu kaufen. In den palastähnlichen Bauten präsentieren auch heute noch viele Luxusgeschäfte ihre Waren und zählen die Mieten der Geschäftsflächen zu den teuersten in ganz Benelux. Am Ende der Einkaufsstraße Meir, an der Kreuzung Meierbrug und Schoenmarkt steht der Boerentoren. Bei seiner Errichtung in den 1930ern wurde er mit 87,5m als der erste Wolkenkratzer Europas gefeiert. In den 1970ern wurden die Apartments in Büroräume umgebaut und der Turm auf 97m erhöht.

Im historischen Zentrum der Stadt

Vom Einkaufsviertel erreicht man ganz schnell die historische Altstadt. Als erstes wäre da der Groenplaats. Der Platz wurde unter Französischer Herrschaft 1805 als Versammlungsplatz eingerichtet. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick auf die Liebfrauenkathedrale, die sich etwas nördlich vom Platz befindet. Doch eh wir uns dorthin begeben machen wir einen kleinen Abstecher zum Plantin-Moretus Museum am Vrijdagmarkt. Diese älteste noch gut erhaltene Druckerei aus der Zeit der Renaissance erreicht man, wenn man vom Groenplaats der Groenkerhofstraat folgt und links in die Kramerstraat und dann etwas weiter rechts in die Gierstraat biegt. Letztere mündet in den Vrijdagmarkt, an dessen westlichen Seite sich das Museum befindet.

Uralte Bücher und die Kunst des Buchdrucks erleben

Als eines von sehr wenigen Museen steht das Buchdruckmuseum in Antwerpen auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes. Das überaus beeindruckende Museum entführt einen in die Zeit, in der der Buchdruck die ganze damals bekannte Welt veränderte. In den liebevoll restaurierten und authentisch belassenen Räumen des Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert bekommt man einen sehr guten Eindruck wie es zur Blütezeit des Buchdrucks vonstatten gegangen sein muss. Ich habe selten ein Museum gesehen, in dem man eine solche Fülle an Informationen in einem historischen Originalplatz bekommt. Es scheint als würde jeden Moment jemand durch die Tür kommen um eine der alten Pressen zu bedienen oder sich in der Bibliothek ein Buch an zu schauen. Eigentlich kann man diesem Museum schon einen eigenen Blogbeitrag widmen (das habe ich auch vor).

Im Buchdruckmuseum fühlt man sich ins 16. Jahrhundert zurückgesetzt

Die Türme und alten Gemäuer im Herzen der Stadt

Nach dem kleinen Abstecher im Buchdruckmuseum kehren wir zurück Richtung Liebfrauenkathedrale. Den Weg dorthin führt durch einige kleine Gassen. Welche man nimmt ist egal, denn sie sind alle sehr ähnlich und führen zum Vorplatz der Kathedrale. Hauptsache man orientiert sich an dem großen Turm der Kathedrale.
Die Kathedrale gilt als Meisterwerk der Brabanter Baukunst. Sowohl das Gebäude selber als auch die Innenausstattung sind von hohem kunsthistorischen Wert. Obwohl nach einigen Plünderungen, einem Brand und die Zweckentfremdung zum Viehstall viele der Kunstschätze verloren gegangen sind, zählen die übrig gebliebenen Statuen, Altarbilder und Gemälde zu den wichtigsten Ausstellungsstücken Brabanter Kirchenkunst.

Der Turm der Liebfrauenkathedrale gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO

Wandert man von der Kathedrale aus weiter durch die Maalderijstraat erreicht man schon nach einigen 100 Metern den Grote Markt mit seinen prächtigen Gildenhäusern und dem alten Rathaus der Stadt.

Die Legende des Brabobrunnens

Vor dem altem Rathaus befindet steht ein Brunnen, der einen jungen Mann darstellt, der dabei ist eine riesige Hand zu werfen. Dieser Brunnen ist inspiriert von der Legende des Brabo. Der Legende nach soll der römische Soldat Silvius Brabo dem Riesen Druon Antigon seine Hand abgehackt und in die Schelde geworfen haben. Auf diese Szene des Handwurfs soll auch die Bedeutung des Namens der Stadt Antwerpen (hand werpen = Hand werfen) zurückfallen.

Weiter geht die Stadtwanderung entlang der Suikeruit links vom Rathaus Richtung Schelde. Dort sieht man schon von weitem die mittelalterliche Burg Het Steen. Diese alte Festung an der Schelde ist das älteste Gebäude der Stadt und datiert aus dem Jahre 1200. Die Burg wird momentan umgebaut und ist leider für Besucher nicht zugänglich.

Der alte Hafen von Antwerpen

Nun folgt man dem Verlauf der Schelde und geht entweder über die parkähnlichen Uferwege oder entlang der großen Straße. Überall trifft man dort auf alte Hafengebäude und Docks. Nach ungefähr 700m erreicht man das Bonapartedok, ein altes Hafenbecken. In den Letzen Jahren hat dieses Stadtviertel mit dem Namen Eilandje eine wahre Metamorphose erlebt. Zahlreiche alte Hafengebäude und Lagerhäuser wurden renoviert und so entstand ein modernes und hippes Wohnviertel. Auf einer Art Halbinsel die das Bonapartedok und das Willemdok voneinander trennt steht das moderne 2011 errichtete Museum MAS (Museum aan de Stroom). Es dienst als Stadtmuseum der Stadt Antwerpen und konzentriert sich auf die Geschichte der Hafenstadt. Rolltreppen verbinden die verschiedenen Etagen. Und ohne das Museum zu betreten, ist es möglich durch eine spiralförmige Anordnung der Treppe die Aussichtsplattform auf dem Dach des Museums zu erreichen. Von dort oben hat man eine gute Übersicht über das Eilandje Viertel und die Schelde.

Zurück zum Bahnhof

Im hippen Stadtviertel Eilandje, gibt es viel zu entdecken. Ich empfehle jedem dort einfach mal durch die Straßen zu schlendern. Neben dem MAS wurde dort auch das ultramoderne neue Rathaus errichtet, deren Basis ein altes Hafengebäude ist, welches um einen modernen Bau erweitert wurde, der an einen Diamanten erinnert. Mit der Tram oder dem Bus kommt man nun vom Eilandje aus schnell und einfach weder zurück zum Bahnhof Antwerpen Centraal.

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