Arlon – die südlichste Provinzhauptstadt Belgiens

Belgien ist ja bekanntlich ein Land in dem vieles geteilt wird. Sprachen, Kulturen, Landschaften aber auch politische Strukturen, wie die Provinzen wurden in der Vergangenheit immer wieder mal geteilt. Die Grafschaft Flandern in Ost- und Westflandern, Brabant in Wallonisch und Flämisch, oder Limburg in Niederländisch und Belgisch. Ähnlich verlief es auf mal mit Luxemburg. Als Belgien 1830 seine Unabhängigkeit ausrief, musste die genauen Grenzen erst noch definiert werden. Dazu sollte das Großherzogtum Luxemburg, damals in Personalunion mit den niederländischen Provinzen, geteilt werden. Um dies so sinnvoll wie möglich zu machen, entschied man sich die natürliche Sprachengrenze, die das Großherzogtum durchquerte als Grenze zu definieren. Der französischsprachige Teil wurde belgisch, der deutschsprachige Teil blieb beim Großherzogtum Luxemburg.

Der französischsprachige Teil gin an Belgien, der deutschsprachige Teil blieb beim Großherzogtum.

Doch wie auf der Karte gut zu erkennen ist, wurde sich doch nicht ganz an die Sprachgrenze gehalten. Das hat einen ganz einfachen Grund. Da die neu geschaffene belgische Provinz Luxemburg eine Hauptstadt brauchte, es jedoch im französischsprachigen Teil Luxemburgs keine größere Stadt gab, entschied man sich das deutschsprachige Gebiet um Arlon (dt Arel) mit in die belgische Provinz ein zu gliedern. Der dort gesprochene luxemburgische Dialekt starb danach immer mehr aus und wir heute nur noch sehr wenig gesprochen.

Was gibt es in Arlon zu sehen?

Eine der ältesten Städte Belgiens

Arlon gehört wie Tournai und Tongeren zu den ältesten Städten Belgiens. Als Orolaunum war Arlon schon bei den Römern bekannt. Hier kreuzten sich einst 2 wichtige Heer und Handelsstraßen. Heute sind einige historische Ausgrabungen aus dieser Zeit im Musée Archéologique zu sehen. In der Stadt erinnert eine alte Säule und die Reste eines Turmes, der auf römischen Fundamenten errichtet wurde an die Vergangenheit. Die Galloromanische Säule, der Jupitersäule, mitten in der Fußgängerzone wurde mit Darstellungen von Römischen Göttern verziert. Einige Straßen weiter, südlich der Grand Place sind die Reste einer römischen Basilika, der ersten in Belgien.

Kleine Stadt mit 2 großen Kirchen…

Gleich 2 Kirchen prägen das Bild der kleinen Provinzhauptstadt. Auf dem Hügel, auf dem einst die Burg der Grafen von Arlon gestanden hat, errichteten Kapuziner im 17. Jahnhundert die St-Donatus Kirche. Auf dem Weg hoch zur Kirche ist ein Kreuzweg aus verschiedenen Statuen besteht und an der Kirche endet. Es lohnt sich den Kirchturm zu besteigen und den Ausblick über die Stadt und das Umland zu genießen. Bei gutem Wetter reicht der Blick über drei Länder: Luxemburg, Belgien und Frankreich. Auf dem Weg vom Bahnhof in die Stadt passiert man einen weiteren großen Kirchenbau, den der St-Martins Kirche. Diese Kirche wurde erst von 1907 bis 1914 erbaut. Der 97 m hohe Kirchturm ist der höchste in der Wallonie und zählt zu den höchsten Kirchtürmen Belgiens.

Ein alter Platz und ein Panzer…

Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Justizpalast und der Provinzpalast an der Place Léopold. Auf diesem zentralen Platz befindet sich auch ein sehr seltsames Monument: Ein amerikanischer M10c Panzer, der an die Befreiung der Stadt durch die Amerikaner am 10. September 1944 erinnert.  Die Architektur der Stadt erinnerte mich weder an typische Wallonische noch an andere belgische Städte. Sie war am ehesten noch der Architektur der luxemburgischen Hauptstadt zuzuschreiben, was ein weiteres Indiz für die einstige Zusammengehörigkeit der Stadt und seiner Umgebung zum Großherzogtum beweisen würde.

Maitrank – Volksfest mit germanischen Wurzeln

Neben dem sehr selten gewordenen luxemburgischen Dialekt, der im Areler Land geredet wurde, ist auch der „Maitrank“ ein Überbleibsel der germanischen Wurzeln der Region um Arlon. Bei den Festlichkeiten rund um den Maitrank handelt es sich um eine Art Volksfest, welches an den Tanz in den Mai erinnert. Dabei wird vor allem Maibowle (Maitrank) getrunken. Dabei handelt es sich um ein Gemisch aus einem trockenen, meist luxemburgischen, Moselwein, Sekt und Waldmeister. Die Feierlichkeiten rund um den „Maitrank“ in Arlon sind zusammen mit dem ostbelgischen „Tanz in den Mai“ und dem „Maibaumaufstellen“ stille Zeugen davon, dass diese Gegenden einst fest in dem germanischen Brauchtum verwurzelt waren.

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