Auf dem „RRR“ alle Dörfer der Gemeinde Raeren erkunden

Ich war mal wieder mit dem Fahrrad in der direkten Nachbarschaft unterwegs. Diesmal in der Gemeinde Raeren. Als Grundlage für meine Fahrradtour diente der „Raerener-Rad-Rundweg – RRR“ (Strecke und Infos findet ihr hier). Dieser führt vom Grenzübergang Köpfchen über Lichtenbusch und Berlotte nach Raeren bis zum Raerener Bahnhof an der Vennbahnstrecke. Zurück geht es dann über Raeren-Neudorf nach Eynatten und Hauset wieder zum Ausgangspunkt. Mit kleinen Umwegen und Abstechern gibt es auf dieser Route viel zu entdecken…

Köpfchen – Grenze auf nem Hügel

Grenzübergang

Der Rundweg durch die Gemeinde Raeren beginnt an der deutsch-belgischen Grenze. Die innereuropäischen Grenzen sind zwar schon seit Jahrzehnten offen, am Grenzübergang Köpfchen gibt es aber noch viele Überbleibsel der ehemaligen Zoll- und Grenzkontrollen zwischen Belgien und Deutschland. Statt diese jedoch zerfallen zu lassen, hat man sich hier an beiden Seiten der Grenze etwas besonderes überlegt. Aus den alten Zollgebäuden wurde das KuKuK, (Kunst- und Kulturzentrum Köpfchen) geschaffen, in dem es unterschiedliche Ausstellungen, Veranstaltungen, ein Café und regelmäßig auch Märkte gibt. Dem Rad-Rundweg folgt man nun über die Beschilderung Richtung „Bahnhof“.

Köpfchen
Das KuKuK befindet sich an beiden Seiten der deutsch-belgischen Grenze

Zyklopensteine mitten im Wald

Der „RRR“ führt vom Grenzübergang erstmal nach Deutschland in den Wald. Nachdem man die kaum erkennbare Grenze wieder überquert hat, sieht man von weitem mitten im Wald eine Gruppe großer Steine. Diese Sandsteine sind Überreste aus der Urzeit. Als der Sand, der die Steine eins umgeben hatte über Jahrmillionen weggespült wurde, blieben die Steine übrig und geben nun den Anschein, dass sie jemand (einer Legende nach ein Zyklop) dorthin gelegen haben soll. Für mich erinnern sie eher an riesige, halb in der Erde schlafende Dickhäuter. Jedenfalls fühlen sich die Steine auch so an.

Zyklopensteine
Mitten im Wald, liegen seit Jahrmillionen eine Gruppe riesiger Steine

Lichtenbusch – das geteilte Dorf

Der gut ausgeschilderte Radweg führt immer weiter durch den Wald, bis man den Grenzort Lichtenbusch erreicht. Hier führt der Weg über eine Autobahnbrücke in ein Wohngebiet. Der Ort Lichtenbusch wurde 1922 bei der Grenzziehung in zwei geteilt. Die einstige Hauptstraße (Raerener Straße) bildet nun die Grenze. Somit sind auch typische Gebäude, die man in einem Dorf findet, teils auf deutscher, teils auf belgischer Seite zu finden. Die Kirche steht in Deutschland, die Grundschule in Belgien. Die von früheren Kaffeefahrten übriggebliebenen Supermärkte auf belgischer Seite der Grenze sind auch heute noch auf belgische Pralinen, Tabak und Kaffee ausgerichtet.

Waldwege
Der RRR führt in Lichtenbusch vor allem durch den Wald.

Berlotte – Mini Museum über Möhren

Der „RRR“ führt von Lichtenbusch wieder in den Wald, bis man den Weiler Berlotte erreicht. Dort befindet sich eines der kuriosesten Museen der Welt, das Mö(h)renmuseum. Die Schnapsidee, ein Museum über Möhren zu erschaffen, entstammt einer lustigen Männerrunde im Sommer 1992. Seit dem wird sämtlicher Kram und Kitsch rund um die Möhre in einem alten Stromhäuschen gesammelt. Mit einem kleinen Paternoster kann man die Exponate an einem kleinen Fenster vorbeifahren lassen.

Mö(h)renmuseum
Ein total kurioses Museum steht im kleinen Weiler Berlotte: das Mö(h)renmuseum.

Raeren – alte Töpfe, blaue Steine

Ortskern

Über Wiesenwege erreicht man schnell den Hauptort der Großgemeinde, Raeren. Der Ortskern wird seit einigen Jahren in mehreren Phasen erneuert. Momentan ist die Hauptstraße eine Baustelle. Mit dem Fahrrad ist sie aber gut zu durchqueren. Der zentrale Denkmalplatz ist schon fertig gestaltet und bietet einen schönen Blick über das Rathaus und die dahinterliegende St. Nikolauskirche. Bei den Bauwerken am Dorfplatz fällt auf, dass vor allem ältere Häuser, worunter die Kirche, aus Blaustein errichtet wurden.

Raerener Kirche
Die Raerener St. Nikolauskirche ist nicht das einzige Gebäude aus Blaustein.

Burg Raeren

Etwas außerhalb vom eigentlichen Ortskern und nicht auf der Strecke des „RRR“ findet man die Burg Raeren. Doch der kleine Umweg lohnt sich! Denn in der Wasserburg befindet sich heute das Töpfereimuseum, in dem man alles über das seit der Römerzeit über die ganze Welt berühmt gewordene Raeren Steinzeug erfährt. Die Töpfe und Krüge waren sehr hart, fast unzerbrechlich und wasserfest und haben es auf zahlreiche Gemälde der großen flämischen Maler geschafft. Im Museum bekommt man Informationen über die Herstellung, den Transport und die Fundorte dieser einzigartigen Keramiken. Es ist eines von nur 6 Museen und Stätten in Belgien, welches mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet ist.

Burg Raeren
Auch wenn Teile der Burg gerade restauriert werden, lohnt sich ein Besuch in dem interessanten Museum über das Raerener Steingut.

Alter Bahnhof Raeren

Der „RRR“ führt von der Hauptstraße weiter über die Bahnhofsstraße, die, wie der Straßenname schon verrät, zum Raerener Bahnhof führt. Auf dem Bahnhofsgelände findet man heute noch viel der alten Infrastruktur des Bahnhofes. Außerdem hat man von hier aus eine schöne weite Aussicht über die gesamte Gemeinde Raeren. Ein Teil der Strecke des „RRR“ verläuft nun weiter über den Vennbahnweg. Von nun an folgt man den Beschilderung in Richtung „Köpfchen“, der einen Zurück zum Ausgangspunkt führt.

Bahnhof Raeren
Der alte Bahnhof ist nur eines von vielen Gebäuden, die aus der Zeit der Vennbahn übrig geblieben sind.

Neudorf – das ältere Raeren

Auf dem weiteren Verlauf des „RRR“ trifft man auf viele alte Blausteinbauten und erreicht den Ortskern vom Raerener Weiler Neudorf. Obwohl der Name es nicht vermuten lässt, ist Neudorf gut 200 Jahre älter als der eigentliche Ortskern von Raeren. Gebildet hatte sich der Weiler am Verkehrsweg zwischen Aachen und Trier, dem Öslinger Weg. Mit der Zeit wuchsen Neudorf und Raeren aber dann zusammen. Natürlich ist auch hier der örtliche Blaustein in vielen Gebäuden zu finden. Ein Abstecher zur Knoppenburg im Westen des Weilers lohnt sich. Es ist eine von vielen Burgen in der Gemeinde Raeren.

Raeren - Neudorf
In Neudorf stehen viele schöne Blausteinhäuser, die meisten davon direkt am kleinen Iterbach.

Eynatten – Schlösser und ein Spukhaus aus blauem Stein

Über kleine Gassen und dem selben Weg, wie man in Raeren angekommen ist, fährt man nun ein Stück zurück bis der „RRR“ nach links Richtung Eynatten führt. Das von Wiesen und Hecken umgebene Dorf bietet in seinem Zentrum einige Sehenswürdigkeiten, welche schnell und einfach vom Radweg zu erreichen sind. Einerseits gibt es eine Wasserburg, das Haus Amstenrath, welches in direkter Nähe der schönen Kirche St. Johannes der Täufer steht. Andererseits die Wasserburg Vlattenhaus, welches nach einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg mit modernen Elementen wiederaufgebaut wurde. Direkt an der Hauptstraße nach Eupen, die den Ort durchquert befindet sich ein altes Herrenhaus, das Haus Lambertz, aus dem 18. Jahrhundert. Glaubt man den Geschichten des Volksmunds soll es in ihm Spuken. Vielleicht ist das der Grund warum es seit Jahrzehnten schon leer steht.

Schloss in Eynatten
Das Haus Amstenrath liegt versteckt hinter seinen Wirtschaftsgebäuden etwas abseits vom Dorfkern.
Haus Lambertz
Im schicken Haus Lambertz soll es dem Volksmund nach spuken, daher ist es auch allgemein nur als „Spukhaus“ bekannt.

Hauset – zur Abwechslung mal was Sandstein

Die Schilder des „RRR“ führen uns nun wieder auf die andere Seite der Autobahn E40, nach Hauset. Über kleinere Wege durch den Wald an schönen Villen vorbei erreichen wir die Göhl, welche in Hauset die Gemeinde Raeren Richtung Kelmis verlässt. In den umliegenden Dörfern trifft man auf viele Gebäude aus Blaustein. Nicht so in Hauset, hier benutzte man den Sandstein aus den zahlreichen Sandgruben im Dorf für den Bau der Häuser. So wurde auch die Kirche, deren Kirchturm erst in den 1960ern errichtet wurde, aus diesem bräunlichen Sandstein gebaut. Genau wie das Schulgebäude und viele der Wohnhäuser im Dorfkern. Über Wald- und Wiesenwege geht es dann wieder zurück zum Ausgangspunkt des „RRR“ nach Köpfchen.

Aussicht Hauset
Das Dörfchen hauset liegt mitten in einer Landschaft aus Wiesen und Wäldern im Göhltal.

Fazit

Der 27 km lange „RRR“ eignet sich prima als Grundstrecke zur Erkundung der Gemeinde Raeren. Die Strecke ist sehr gut ausgeschildert und verläuft vor allem auf kleineren Straßen und Wald- oder Wiesenwegen. Daher ist er auch gut für Familienausflüge mit dem Fahrrad geeignet. Mit der Anbindung an andere Radwege, wie zum Beispiel dem Vennbahnweg, ist er an ein tolles Fahrradwegenetz angeschlossen. Am Start und Zielpunkt des „RRR“, dem Grenzübergang Köpfchen, gibt es einen großen Parkplatz, auf dem man sein Auto abstellen kann, sollte man nicht mit dem Fahrrad bis dort gelangen. Für mich war der „RRR“ eine gute Gelegenheit, auch mal abseits der bekannten Wege durch die Gemeinde Raeren, einen Blick auf die vielen Sehenswürdigkeiten zu werfen und sogar Neues zu entdecken.

Andy

6 Gedanken zu „Auf dem „RRR“ alle Dörfer der Gemeinde Raeren erkunden

  1. Hallo Andy, wieder vielen Dank für die inspirierende Beschreibung deiner Radtour…das Möhrenmuseum lockt mich besonders! Bin gespannt! Martha

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