Auf den Spuren der belgischen Revolution durch Brüssel.

Brüssel ist viel älter als Belgien und der Großteil der belgischen Revolution hat sich 1830 dort abgespielt. Es ist daher auch heute noch möglich viele der Schauplätze der Geburtsstunde Belgiens zu besuchen. Während der belgischen Revolution löste sich der südliche Teil der Vereinigten Niederlande von den Niederlanden und wurde zu einem neuen Staat: Belgien.

Die Wanderung entführt uns in das Brüssel der belgischen Revolution der 1830er Jahre. Sie startet am Place de la Monnaie und führt über den Place des Martyrs und den Place du Congrès zur Porte de Schaerbeek entlang wichtiger Schauplätze, die bei der Entstehung Belgiens eine Rolle gespielt haben. Darüber hinaus erfährt man bei den verschiedenen Stationen mehr über die Personen und Ereignisse, die dafür gesorgt haben, dass der neue Staat entstanden ist.

Leider ist es mir bisher noch nicht gelungen eine passende Karte dazu zu erstellen, das wird aber sicher noch nachgeholt. Da die untenstehende Beschreibung der sehenswerten Gebäude, Plätze und Straßen am besten unterwegs zur Geltung kommt, kann der Text so „im Trockenen“ etwas langatmig daher kommen. Wer also nicht schon in Brüssel ist, sollte sich so schnell es geht dorthin begeben, um die Erklärungen der Wanderung genießen zu können.

Angekommen?

Dann kanns ja los gehen! (im doppelten Sinne):

Place de la Monnaie

Auf der Place de la Monnaie startet die Wanderung.

Am 25. August 1830 löst die Vorstellung der romantisch-nationalistischen Oper „Die Stumme von Portici“ in der Oper von Brüssel bei dem Publikum einen Aufstand gegen die Politik von König Wilhelm I aus. Vom Opernvorplatz breiten sich die Rebellen schnell durch die ganze Innenstadt aus. Wohnungen und Büros von politisch wichtigen Personen werden geplündert und in Brand gesetzt.

Die neoklassizistische Oper Brüssels  (Koninklijke Muntschouwburg / Théâtre Royal de la Monnaie) wurde zwischen 1817 und 1819 erbaut und ersetzte die 1700 erbaute Grand Opéra. Nach verschiedenen Umbauten im 20. Jahrhundert wurde das Theater in den 1980ern erweitert und modernisiert. Heute ist der eher langweilige Vorplatz vor allem bei Skatern beliebt und dient als Treffpunkt für einen Bummel in den nahegelegenen Einkaufsstraßen.

Folgt man der Rue Léopold und der Rue d’Argent gelangt man zum Place des Martyrs.

Place des Martyrs

Place des Martyrs

Dieser neoklassizistische Platz, der ursprünglich Place Saint-Michel hieß, wurde in den 1770er Jahren erschaffen. Der heutige Name des Platzes ehrt die Opfer der Septemberrevolution, die zwischen dem 23. und 26. September 1830 Wiederstand gegen die niederländischen Truppen leisteten. Einige der Opfer wurden in einer Krypta unter dem Denkmal begraben. Das Denkmal, das 1838 gebaut wurde und Pro Patria genannt wird, besteht aus einem Sockel, der von verschiedenen Schutzengeln (das Gebet, die Schlacht, der Sieg und die Bestattung) flankiert wird. Auf dem Sockel steht eine Allegorie der Freiheit und an ihren Füßen liegt der Belgische Löwe. An der Nordseite des Platzes ist ein Ehrenmal für Jenneval, dem Dichter der ersten Brabanconne zu sehen. An der Südseite befindet sich eine Statue des Grafen von Mérode, einem Freiwilligen Kämpfer, der während der Revolution 1830 starb. Heute beherbergen die einheitlich um den Platz gebauten Gebäude die Kabinette der flämischen Minister, eine Jugendherberge und ein kleines Theater.

Über die Rue Persil und dann links über die Rue du Marais erreicht man dann die Rue des Sables. Hier befindet sich ein Jugendstilbau von Victor Horta, in dem das Comicmuseum „Centre Belge de la Bande Dessinée“ eingerichtet wurde. Am Ende der Straße erklimmt man die Treppen zum Kreisverkehr, an dem der Boulevard Pacheco endet. Unter diesem Boulevard befindet sich ein Teil der in den 1950ern gebauten Nord-Südverbindungsbahn. Weiter geht es dann in die Rue de la Banque und anschließend hoch in die Rue Montagne de l’Oratoire. Oben angekommen geht man weiter links in die Rue de Ligne, die in den Place du Congrès mündet.

Place du Congrès

Kongress-Säule

1859 wurde der Place des Panorama in den Place du Congrès umgetauft und die Kongress-Säule auf ihm errichtet. Die Säule wurde als Gedenken an das Ausrufen der Unabhängigkeit Belgiens und der Errichtung des ersten belgischen Nationalkongresses von 1830 gebaut. Dieser Nationalkongress mit 200 Mitgliedern entwarf 1831 das belgische Grundgesetz. Des weiteren sorgte er dafür, dass Leopold von Sachsen-Coburg als ersten König der Belgier den Thron besteigt. Am 21. Juli 1831 schwor Leopold I. seinen Eid auf die Verfassung.

Die Kongress-Säule, inspiriert von der Trajanssäule in Rom, wurde zwischen 1850 und 1859 nach Plänen des jungen J. Polaert erbaut, der am Ende seiner Karriere auch den umstrittenen Bau des Justizpalast verwirklicht. 1857 wurden zwei monumentale Treppen und ein überdeckter Markt dem Platz hinzugefügt. Diese Anlage wurde jedoch 1955 abgerissen um Platz Cité administrative de l’Etat – einem riesigen, sich heutzutage wieder im Umbau befindlichen Verwaltungsgebäude des belgischen Staates- zu schaffen. Seit dem 11. November 1922 liegt am Fuße der Kongress-Säule das „Grab des unbekannten Soldaten„. Eine ewig brennende Flamme gedenkt hier den vielen Opfern des Ersten Weltkrieges.

Weiter geht die Wanderung über die Rue Royale Richtung Parc de Bruxelles.

Rue Royale

Die Rue Royale verbindet den Brüsseler Stadtpark mit dem Rathausplatz der Gemeinde Schaerbeek. Während die Straße ab den 1770ern noch von prächtigen Bauten gesäumt war, zeugen heute leider nur noch wenige Gebäude von diesem einstigen Ruhm. Hier sind vor allem die im Jugendstil erbaute Fassade der ehemaligen Chemiserie Niguet (Hausnr. 13), eine Reihe von gut erhaltenen Fassaden alter Herrenhäuser aus der Vorkriegszeit (Hausnr. 23-33) und ein kleiner Platz zu nennen. Die Umgebung des kleinen Platzes lockt mit kleinen Bistros und Restaurants und ein Abstecher in die anliegenden Straßenzüge, die mit schönen Herrenhäusern gesäumt sind, lohnt sich.

Einmal den Brüsseler Stadtpark erreicht, folgt man der Rue de la Loi. Ungefähr auf halber Strecke befindet sich das belgische Nationalparlament im Palais de la Nation.

Palais de la Nation

Statue der Brabanconne

Dieser zwischen 1779 und 1783 unter österreichischer Herrschaft für den Brabanter Rat gebaute Palast ist heute Sitz des belgischen föderalen Parlaments. Der klassizistische Bau liegt genau gegenüber des Nordportals des zur gleichen Zeit errichteten Parks. In den Jahren nach der belgischen Revolution festigte sich der Nationalkongress im Lesesaal des Palastes und entwickelte dort das Grundgesetz des neuen belgischen Staates. Das Original des Grundgesetztes wie auch die komplette Bibliothek wurden 1883 Opfer der Flammen während eines Brandes in großen Teilen des Palais.

Weiter geht die Wanderung bis zur nordöstlichen Ecke des Parks, dort biegt man in die Rue Ducale. Man passiert einige Botschaften und biegt am Flämischen Parlament links in die Rue de la Presse. Wenn man die Rue de Louvain erreicht hat, verfolgt man deren Verlauf nach rechts. Kurz bevor man auf den Boulevard du Régent gelangt, biegt man links in die Rue du Nord und trifft dort auf die kleine Place Surlet de Chokier. In der Mitte dieses Platzes steht eine Statue, die die Brabançonne darstellt und auf deren Sockel die erste Strophe der belgischen Nationalhymne steht.

Rechts hinter der Statue führt die Rue de Congrès über den Place de la Liberté zurück zur Kongress-Säule.

Place de la Liberté

Dieser rechteckige Platz wurde während der Urbanisierung des alten Notre-Dame aux Neiges Viertels 1874 angelegt. Die symmetrisch angeordneten Gebäudeensembles, die den Platz an drei Seiten flankieren, stammen aus den 1880ern. Zentral auf dem Platz steht die Bronzestatue von Charles Rogier. Als Revolutionär leitete er die freiwilligen Kämpfer aus Lüttich währen der Septemberrevolution von 1830. Danach wurde er Mitglied der provisorischen Regierung, die am 4. Oktober 1830 die Unabhängigkeit Belgiens ausrief. Die Straßennamen, die von diesem Platz aus verlaufen erinnern an die Freiheiten, die im Grundgesetz gewährleistet sind; Rue de l‘ Association (Vereinigung), Rue de la Presse (Presse), Rue de l’Enseignement (Unterricht) und Rue des Cultes (Kult).

Folgt man der Rue de l’Association erreicht man über die Rue de la Revolution den Place des Barricades.

Place des Barricades

1831 wird der Place d’Orange in Erinnerung an die dort während der Septemberrevolution errichteten Barrikaden in Place des Barricades umgetauft. Der neoklassizistische Platz wurde bei dem Schleifen der äußeren Stadtwälle im 19. Jahrhunderts angelegt. In der Mitte des Platzes steht eine Statue des flämischen Anatoms Andreas Vesalius, dem Begründer der neuzeitlichen Anatomie und des morphologischen Denkens in der Medizin.

Die Wanderung führt nun entlang der Rue de la Sablonnière über die Rue Royal zum Boulevard du Jardin Botanique. An diesem Boulevard befand sich früher, etwa dort wo sich nun das Kulturzentrum Le Botanique befindet, die Porte de Schaerbeek .

Le Botanique

Während der Septemberrevolution von 1830 fanden auf Höhe der Porte de Schaerbeek schwere Gefechte statt. Nach einem ersten Durchbruch in der Rue Royale erreichten die niederländischen Truppen den Parc de Bruxelles in dem sie letztendlich in der Nacht vom 26. September gestoppt und zur Niederlange gezwungen wurden.

Exotische Pflanzen vor Hochhauskulisse im botanischen Garten.

Unmittelbar vor der Porte de Schaerbeek wurde erst 1829 der Jardin Botanique eröffnet. Nach einigen Restaurierungen in den 1980ern richtete man dort das Centre Culturel de la Communauté française de Belgique ein. Der Gebäudekomplex stellt sich aus der ehemaligen Orangerie und zwei flankierenden Pavillons zusammen. In diesen Treibhäusern wurden einst die ersten Chicorées angebaut. Neben den Gebäuden befand sich der botanische Garten von Brüssel. In den 1950ern hat der Park stark unter den Arbeiten an der Nord-Südverbindungsbahn gelitten und wird seither von einer Schnellstraße durchquert. Er wurde in den 1960ern wieder neu angelegt und lädt mit einigen exotischen Gewächsen zum Verweilen ein. Hier endet auch die Stadtwanderung.

Wer will kann nun entweder durch den Botanischen Garten zum Nordbahnhof gehen oder im ‚Le Botanique‚ einkehren und sich mit einem gekühltem Bier auf die Terrasse setzen und den Blick genießen.

Andy

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