Die Kathedralen aus uralten Buchen im Zoniënwoud

Der Zoniënwoud oder Forêt de Soignes südöstlich von Brüssel verbindet die Hauptstadtregion mit der Wallonie und Flandern. Als Überbleibsel eines riesigen Urwaldes, der sich einst über ganz Europa zog, steht er mit Wäldern aus 11 anderen Ländern seit 2017 auf der UNESCO-Welterbeliste. Doch was macht diesen überregionalen Wald so besonders und was gibt es außer ihrer Fauna und Flora zu entdecken? Ihr erfahrt es hier.

Der riesige Silva Carbonaria (Kohlenwald)

Der Silva Carbonaria oder Kohlenwald ist der westliche Teil eines riesigen Waldes, der sich in der Antike von der Ukraine bis an die Nordsee erstreckte. Der Wald stellte bis ins Mittelalter eine natürliche Grenze dar. So trennte er nicht nur den germanischen vom romanischen Kultur- und Sprachbereich, sondern diente über die Jahrhunderte auch immer wieder als Landesgrenze.
Heute liegen die Reste des riesigen Kohlenwaldes mitten in Belgien. Von der Mosel bis an den Ärmelkanal soll er zur Zeit der Römer gerreicht haben. Bis heute formen seine Überbleibsel, wie der Zoniënwoud /Forêt de Soignes und der Hallerbos, eine natürliche Sprachgrenze. Nördlich des Waldes liegt Flandern, südlich die Wallonie. Somit erstreckt sich der Wald über alle 3 Regionen Belgiens und wird auch gemeinsam von ihnen verwaltet.

uralte Bäume
Viele der Buchen sind mehrere Hundert Jahre alt.

Die grünste Stadt Europas – Brüssel

Brüssel zählt zu den Großstädten Europas, in denen es besonders viel Parks, Wälder und Grünflächen gibt. Kein Wunder, denn 38% des insgesamt 4421 Hektar großen Waldes fällt auf Brüsseler Boden. Der Wald erstreckt sich über vier der 19 Gemeinden der Hauptstadtregion. Einige Zugänge zum Forêt de Soignes haben einen Anschluss an das städtische Tram- und Metronetz. Der nördlichste Ausläufer des Waldes, der Bois de la Cambre, reicht bis an den Rand der belgischen Hauptstadt.

Beschilderung im Wald
Die Wege im Wald sind sehr gut ausgeschildert.

Eine alte Pferderennbahn mit 18 Löchern

Im Brüsseler Teil des Zoniënwouds sind einige Gebäude der alten Pferderennbahn von Bosvoorde als Zeugen glorreicher Zeiten geblieben. Eine kleine und eine große liebevoll restaurierte Zuschauertribüne dienen heute als beliebte Treffpunkte. Auch der Empfangshalle, in der die Reiter gewogen und registriert wurden, ist wieder Leben eingehaucht worden. Hier befindet sich nun ein trendiges Restaurant. Die eigentliche Rennbahn erkennt man auch immer noch. Dort trifft man nun viele Sportler, die auf ihr ihre Runden drehen. Auf dem Rasen im Inneren des einstigen Hippodroms hat sich seit den 1990ern der Brüsseler Golf Club niedergelassen. Dabei sind die jahrhundertealten Buchen mit in die verschiedenen Bahnen integriert.

Pferderennbahn im Zonienwoud
Viele Gebäude der alten Pferderennbahn wurden liebevoll restauriert und dienen heute als Ausgangspunkt für Spaziergänge im Zoniënwoud.

Birken bei Buchen zum Gedenken der Toten

Nur etwa 2 km von der ehemaligen Pferderennbahn, schon mitten im Zoniënwoud stehen 32 Birken in einem Kreis. In ihrer Mitte liegen ebenso viele Steinquader zu einem Kreis geformt. Genau 32 Menschen wurden am 22. März 2016 bei den Terroranschlägen in der Metrostation Maelbeek und im Brussels Airport getötet. Zu ihrer Erinnerung wurden die Birken und Steinquader in einem Kreis arrangiert. Dieses Mahnmal steckt voller Symbolik. Die Birken stehen für das Leben, die Steinquader in Kreisform für die Ewigkeit. Auch der Ort wurde bewusst dort und nicht irgendwo in der Brüsseler Innenstadt gewählt, denn hier im Wald herrscht eine fast magische Stille. Die riesigen Buchen formen eine grüne Kathedrale um das Ganze.

Gedenkstätte im Wald
Zum Gedenken an die Opfer der Terroranschläge vom 22. März 2016 hat man in ruhiger Umgebung des Waldes eine Gedenkstätte errichtet.

Der Forêt de Soignes als Teil eines Schlossparks

Am südlichen Rand des Waldes, in der Wallonie, gehört der Zoniënwoud (fr. Forêt de Soignes) zu einem Schlossparks. In La Hulpe liegt das stattliche Anwesen des ehemaligen Chemikers Ernest Solvay. Das Schloss steht inmitten eines englischen Landschaftsparks. Den nördliche Teil des Parks begrenzen neben mehreren Weihern, riesigen Weiden und stattlichen Bäumen die Buchen des Zoniënwouds.
Ernset Solvay war als einer der reichsten Belgier für seine Großzügigkeit bekannt. Er gründete zahlreiche Bildungseinrichtungen und unterstützte wohltätige Vereine. Außerdem achtete er immer darauf, dass vor allem lokale Dienstleister oder Arbeiter beschäftigt wurden. Noch heute, 98 Jahre nach seinem Tod, verdanken wir ihm den öffentlichen Zugang seines Schlossparks, indem jeder willkommen ist. Sein 1863 gegründetes Unternehmen „Solvay“ zählt immer noch zu den 10 wichtigsten Chemiekonzernen der Welt.

Das Schloss von La Hulpe
Am südlichen Rand des Forêt de Soignes steht das Schloss von La Hulpe mitten in einem schönen Landschaftspark.

Buchenurwald trifft auf Afrika

Im Nordosten des Zoniënwouds, diesmal in der flämischen Gemeinde Tervuren, steht ein weiterer Palast aus dem 19. Jahrhundert. Doch in diesem Gebäude hat keine Berühmtheit oder Fürst jemals gewohnt. König Leopold II ließ es errichten, um seine umstrittenen Errungenschaften im Kongo preiszustellen. Seit einigen Jahren kann man in dem völlig neu und modern konzipierten Museum alles über die Fauna und Flora Afrikas erfahren. Auch die teilweise grausame Kolonialgeschichte Belgiens wird nun thematisiert.
Zum Schloss ähnlichen Museumsbau gehört ein weiträumiger Park. Mit Weihern, Kanälen und weiten Grünflächen wird er umgeben von den uralten Buchen des Zoniënwouds. Die ganze Anlage dient somit als Park und Naherholungsgebiet für den Osten Brüssels.

Afrikamuseum
Das Afrikamuseum liegt unmittelbar am östlichen Rand des Zoniënwouds.
Weite Wiesen und Seen im Park von Tervuren
Im Park von Tervuren findet man große Wiesen und Seen, die sich bis an den „Urwald“ erstrecken.

Wer mehr über die verschiedenen Veranstaltungen, die im Zoniënwoud stattfinden, wissen möchte, findet auch auf Deutsch jede Menge nützliche Information auf der Website www.zonienwald.be . Es gibt dort auch die Möglichkeit Wanderkarten zu bestellen.

Andy

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