Belgische Waffeln – Geschichte, Varianten und Rezepte

Als Vater von 3 Kindern bemerke ich immer wieder, dass nicht unbedingt das Ziel, wie zum Beispiel eine Stadt, eine bestimmte Sehenswürdigkeit oder ein Ereignis das Ziel einer Reise sein müssen. Manchmal sind es grade die kleinen Dinge im Leben, die aus einer Reise ein Erlebnis machen. So fragte mich mein dreijähriger Sohn auf dem Weg mit dem Zug nach Ostende, ob wir auf der Fahrt Waffeln essen können und in Brüssel anhalten um Pralinen zu kaufen. Scheinbar war ihm sein leibliches Wohl während der Reise wichtiger als das eigentliche Ziel.

Einer der großen Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern ist das jeweilige Zeitgefühl. Kinder erleben die Gegenwart viel intensiver, während Erwachsene fortwährend an die Zukunft denken. Wo wir mit dem Zug hin fuhren und wie lange es dauerte war meinem Sohn egal, Hauptsache es gibt was Gutes zu essen, man kann raus gucken und aussteigen wo man möchte.

Neue Kategorie „Kulinarisches Belgien“

Dieses Erlebnis mit meinem Sohn gab mir den Anlass darüber nachzudenken ob man bei Reisen immer ein bestimmtes Ziel braucht. Ist es egal wohin man reist? Welches Transportmittel man benutz? Mit wem man reist? Warum?

Was auf jeden Fall die Qualität der Reise positiv beeinflusst, ist zum einen die richtige Gesellschaft und zum anderen das Essen. Sei es nun ein Buch, gute Freunde oder Familie die einem auf der Reise begleiten, der ein oder andere Snack wird dann sicher auch mit ins Gepäck genommen. Es kann natürlich auch sein, dass eine bestimmte Mahlzeit oder Spezialität das Ziel der Reise ist…

Da mein Blog über Reisen in Belgien geht, wollte ich auch mal statt einer bestimmten Sehenswürdigkeit oder einen besonderen Ort einige typisch belgische Wegbegleiter auf einer Reise durch Belgien näherbringen. Ich hatte sofort mehrere Idee, die alle zusammen den Umfang dieses Beitrages gesprengt hätten, deswegen habe ich mich dazu entschieden die Kategorie „Kulinarisches“ auf meinem Blog ins Leben zu rufen. Unter „Kulinarisches“ möchte ich die typische belgischen Lebensmittel zusammentragen, die man beim Reisen durch Belgien begegnet oder vielleicht auch der Grund sind warum man nach Belgien oder zu einem bestimmten Teil oder Stadt des Landes reist.
Da eine dieser kulinarischen Spezialitäten Belgiens Teil meines Blognamens ist möchte ich auch mit dieser leckeren Süßspeise beginnen, den Waffeln.

Waffeln

Die ältesten Belege für ein Waffeleisen kommen aus dem 9. Jahrhundert und wurden Belgien und Frankreich zugeordnet. Im 13. Jahrhundert breiteten sich die Waffeleisen bis nach Norddeutschland und im 15. Jahrhundert bis in die Niederlande aus. Über die Hanse erreichte es sogar Skandinavien, die eigen Waffelsorten erfanden, die zu besonderen Festen verspeist wurden. Auch in Süddeutschland und Österreich gehörten Waffeln eher zur gehobenen Küche und wurden zu speziellen Anlässen serviert.

Es gibt also viele verschiedene Waffelsorten die sich über Mittel- und Nordeuropa verteilt entwickelt haben. Was sie alle immer noch gemeinsam haben ist ihre Zubereitung. Der Teig wird nicht wie bei anderen Gebäcken in eine Form gegossen oder einfach nur so gebacken. Waffeln werden zwischen zwei heißen Eisenplatten, dem Waffeleisen,  gebacken. Da die Waffeleisen eine wabenähnliche Struktur haben, um den Teig so gut wie möglich durch backen zu können, entsteht das bekannte Wabenmuster einer Waffel.

Doch Waffel ist noch lange nicht gleich Waffel. Es gibt viele verschiedene Formen, runde Stroopwafel aus den Niederlanden oder Laquements aus Antwerpen und Lüttich, oder die herzförmigen Waffeln aus dem Bergischen Raum. Viereckige Brüsseler Waffel und Rautenförmige Kempische und Lütticher Waffeln. Die einen sind mit Sirup oder Früchten gefüllt, die anderen werden mit Zucker oder Schokolade überzogen. Jeder hat da so seine Favoriten.

Belgische Waffeln

Doch was hat dazu geführt, dass gerade die belgischen Waffeln solch eine Berühmtheit geworden sind?

Brüsseler Waffel

Das erste Mal, dass man belgische, genauer brüsseler Waffeln auch als Markenzeichen für Belgien nutzte war 1958, also vor genau 60 Jahren. Während der Weltausstellung Expo ’58 in Brüssel präsentierte man der Welt neben allerlei anderen Neuheiten auch eine kulinarische Spezialität, die man gut auf der Faust essen konnte; die Brüsseler Waffel. Traditionell mit Puderzucker gereicht. Diese eher einfache Speise wurde jedoch so beliebt, dass Besucher der Weltausstellung auch Zuhause davon schwärmten und sie so in der ganzen Welt bekannt geworden war.

Ein paar Jahre später, auf der Weltausstellung 1962 in Seattle, nutze der Belgier Walter Clayman die Beliebtheit der Waffel in Amerika und präsentierte während der Ausstellung erneut die Brüsseler Waffel dem Publikum. Auch dieses Mal erntete die Süßspeise viel Lob und fingen erste amerikanische Bäcker an die Waffel zu kopieren.

Als Belgien dann 1964-1965 bei der internationalen Ausstellung in New York auch wieder teilnahm, verkaufte Maurice Vermersch im belgischen Pavillion erneut Brüsseler Waffeln. Sie wurden erneut zum Publikumsmagneten. Da man aber in den Vereinigten Staaten wenig mit Brüssel anfangen konnte, änderte Vermersch den Namen von „Brussels Waffles“ in „Belgian Waffles“. Seitdem gehören „Belgian Waffles“ mit Sirup zu einer beliebten Süßspeise in ganz Nordamerika. Für die New Yorker fügte Vanmersch dann noch Erdbeeren und Sahne hinzu und seitdem werden die Brüsseler Waffeln (vor allem für Touristen) mit Obst, Sahne oder Schokosauce serviert.

Lütticher Waffel

Eine andere, vor allem in Europa bekannt gewordene Waffel ist die Lütticher Waffel. Die Geschichte dieser beliebten Süßspeise basiert auf einer Sage aus dem 18. Jahrhundert. Ein Koch des Lütticher Fürsten soll sie zufällig erfunden haben, als er den Auftrag erhielt eine Hefegebäck zu backen. Der Koch experimentierte bei der Zubereitung mit Kristallzucker und schnell strömte der süße Duft durch den kompletten Palast. Dies entzückte den Fürsten so sehr, dass er das neue Gebäck zu seiner neuen Lieblingsspeise ernannte und all seinen Gästen servierte.

Die Lütticher Waffel ist vor allem auf Kirmessen und Märkten in ganz Belgien und dem angrenzenden Regionen eine beliebte Süßspeise die man gerne warm, in ein Papier gewickelt auf der Faust genießt.

Rezepte

Brüsseler Waffel

Zutaten:

  • 250g Mehl
  • 375 ml Milch
  • 10g Zucker
  • 100g weiche Butter
  • 15g frische Hefe
  • 3 Eier
  • 1 Prise Salz
  • 1 Packet Vanillezucker
  • 50g Puderzucker

Zubereitung:

  • Als erstes wärmt man die Milch auf, bis sie lauwarm ist und mischt die Hefe und den Zucker mit der Hälfte der lauwarmen Milch, bis sich der Zucker und die Hefe in der Milch aufgelöst haben.
  • Dann trennt man die Eier und schlägt das Eiweiß bis es schön fest ist.
  • Das Mehl fügt man in eine große Schüssel und drückt eine Mulde in die Mitte des Mehls. In die Mulde kommt dann der restliche Teil der lauwarmen Milch. Jetzt rührt man dies ordentlich durch. Anschließend gibt man das Eigelb, die weiche Butter und die aufgelöste Hefe-Zucker-Milch Mischung hinzu. Nun nochmal alles gut durchrühren bis ein weicher Teig daraus entstanden ist.
  • Als nächstes hebt man langsam den Eischnee unter den Teig.
  • Lasse den Teig nun 45 Minuten gehen.
  • Wärme das (rechteckige) Waffeleisen auf und backe nacheinander darin den Teig zu Waffeln.
  • Am besten schmecken die Waffeln wenn sie noch warm sind mit etwas Puderzucker. Wer mag kann die Waffel auch nach belieben mit Obst, Schokolade, Sirup oder Sahne garnieren.

Guten Appetit!

10 Kommentare bei „Belgische Waffeln – Geschichte, Varianten und Rezepte“

  1. Sehr interessanter Beitrag. Weiter so! Macht Spaß zu lesen.

    1. Es freut mich, dass es dir gefällt 🙂

  2. Sehr schön geschrieben, vor allem die Erlebnisse mit deinem 3jährigen Sohn 😊
    Die Waffeln sind wirklich lecker 😉
    Stelle sie mir auch prima mit Ananas oder Erdbeeren mit Sahne vor! Wäre doch was für meinen Geburtstag oder?
    Interessant auch die Geschichte der jeweiligen Waffeln und deren Verbreitung!!

    1. Die Waffeln werden bestimmt auf deinem Geburtstag gut ankommen 😉

  3. Das hat Spaß gemacht zu lesen. Sehr anschaulich beschrieben und mir wird wieder einmal bewusst, dass man von Kindern eine ganze Menge lernen kann. Und … ich werde mein Waffeleisen wieder rauskramen und freue mich neue Waffelsorten zu erproben. Danke Andy!

    1. Schön zu lesen, dass es dir gefällt. Berichte mir auch mal wie dir die Waffeln geschmeckt haben :).

  4. Caterina Lenhard sagt: Antworten

    Oh wie lecker die Waffeln aussehen!
    Ich finde auch, dass die kulinarischen Begleiter jede Reise verschönern.
    Ein schöner Artikel!
    Wenn du auch noch einen Rezepttipp für Lütticher Waffeln hast, gerne mitteilen.
    Die andren werde ich auch bald ausprobieren, jetzt habe ich nämlich Hunger auf Waffeln bekommen!

    1. Hallo Cate,
      Leider habe ich mich an Lütticher Waffeln noch nicht so gewagt und daher auch noch kein Rezept. Aber ich kann dir eine Adresse geben, da kannst du die besten Lütticher Waffeln kaufen: Gaufrette Saperlipopette in der Rue des Mineurs 7, 4000 Lüttich.

  5. Caterina Lenhard sagt: Antworten

    Oh danke!
    Da gehe ich sofort hin, wenn ich das nächste malin Lüttich bin! 😀

    1. Mach das auf jeden Fall! 🙂

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