Brüssel – die Hauptstadt der Hauptstädte

Der nächste Beitrag über Belgiens 12 Hauptstädte geht über Brüssel. Brüssel ist in Sachen Hauptstadt natürlich etwas ganz besonderes. Denn es ist die Hauptstadt von Flandern, der Region Brüssel Hauptstadt, dem Land Belgien und neben Straßburg und Luxemburg eine der Hauptstädte der EU.
Da ich auf meinem Blog Brüssel eine eigene Rubrik gewidmet habe, möchte ich euch in dem „Hauptstadtportrait“ zu Brüssel nur kurz meine Lieblingsorte und Geheimtipps mitteilen. Es sind Orte, die man vielleicht nicht unbedingt als Tourist besucht. Andere sind dann wieder versteckt oder nur bedingt zugänglich. Doch es sind auch welche dabei, die bei einen Besuch in Brüssel dazu gehören. Eines haben sie aber alle gemeinsam, sie sind typisch für Brüssel und zeigen, dass es eine vielseitige Hauptstadt ist. Aber lest und schaut selbst…

#1 Die Treppe der Eingangshalle des Justizpalastes

Seit vielen Jahren wird der Brüsseler Justizpalast nun schon renoviert und es wird sicher auch noch Jahrzehnte dauern bis das Gerüst, das den Palast umgibt, vollständig verschwindet. Da die Arbeiten aber hauptsächlich an den Fassaden verrichtet werden, ist im Inneren vieles ohne Gerüste zu bewundern. So auch mein erster Tipp:

Der Eingangsbereich des Justizpalastes
Der menschenleere Eingangsbereich des Justizpalastes

Wahrscheinlich weil das Gerüst, welches fast das komplette Gebäude umgibt, viele davon abschreckt den Eingang des riesigen Komplexes zu suchen, trifft man im Inneren nicht viele Menschen. Andererseits ist der Justizpalast eines der größten Gebäude der Welt, sodass sich selbst riesige Menschenmassen darin gut verteilen. Neben der Treppe gibt es noch vieles anderes im Justizpalast zu entdecken. Wie zum Beispiel die gewaltige Halle direkt unter der Kuppel oder eine Galerie auf der Ersten Zwischenetage.

#2 Place Royale

Ein Ort in Brüssel wird von vielen Reiseführern oft nur stiefmütterlich behandelt. Dabei ist die Place Royale in der Oberstadt einer der schönsten geschlossenen Plätze der Stadt. Gut, er ist nicht so beeindruckend wie die Grand Place, aber durch seine architektonisch aufeinander abgestimmten Gebäude und der Lage oben auf dem Berg, versprüht die Place Royale auch einen gewissen Charme.

Abendliche Stimmung auf der Place Royale
Sonnenuntergangsstimmung auf der Place Royale

Die St-Jakobus auf dem Koudenberg-Kirche dominiert zusammen mit dem Reiterstandbild von Godfried von Boullion das klassizistische Ensemble am Platz. In den restlichen Gebäuden, die den Platz umgeben, befinden sich u.a. das Magritte-Museum, das Museum BELvue über die Geschichte Belgiens, der belgische Verfassungsgerichtshof, der Sitz der Regierung der Region Brüssel-Hauptstadt und ein Kunstzentrum der ING Bank. Der Platz wurde in den 1770ern errichtet. Stellt man sich in die Mitte des Platzes, zu Füßen des Reiterstandbildes, hat man eine schöne Sicht einerseits auf die Unterstadt und den Turm des Rathauses und andererseits auf den Justizpalast.

#3 Die unterirdischen Überreste des Koudenbergpalastes

Dort wo sich heute die Place Royale und das Königliche Stadtschloss befindet, stand früher der gewaltige Koudenbergpalast. Der Bau wurde seit dem 11. Jahrhundert immer wieder an- und umgebaut. Er war der Sitz der Fürsten von Brabant und dem Burgund und wurde 1731 durch ein Feuer zerstört. Über das BELvue-Museum gelangt man in die unterirdischen Überreste des Palastes, genau unter der Place Royale.

Die unterirdischen Plätze und Wege des alten Koudenbergpalastes
Man kann hier unterirdisch auf mittelalterlichen Straßenzügen spazieren

Da ein Großteil der Place Royale und der umliegenden Straßen und Gebäude auf den Fundamenten des Koudenbergpalastes errichtet wurden, sind Teilweise ganze Straßenzüge sowie zahlreiche Gemäuer erhalten geblieben. Man wandert in den Gängen quasi durch eine mittelalterliche Stadt unter der „neuen“ Stadt.

#4 Das königliche Schloss von Brüssel

Jedes Jahr in den 2 Wochen nach dem Nationalfeiertag bekommt man die einmalige Gelegenheit einen Teil des königlichen Schlosses besuchen zu können. 2018 schaute auch ich einmal wo der König denn so arbeitet, empfängt und feiert und ich war beeindruckt. Wenn man an königliche Schlösser denkt, fällt einem zuerst die prächtigen bauten von Versailles in Frankreich, Neuschwanstein in Bayern oder Schönbrunn in Wien ein. Doch auch das königliche Schloss in Brüssel hat einiges zu bieten.

Das königliche Schloss
Das königliche Schloss in Brüssel ist zweifellos ein Symbol des belgischen Königshauses

Neben den prächtigen Büroräumen und Festsälen kann man auch den Thronsaal mit seinen unzähligen Kronleuchtern und den mit Millionen Skarabäusflügeln geschmückten Spiegelsaal bewundern.
Doch auch wenn es einem nicht möglich ist den Palast von innen zu besichtigen, lohnt sich ein Spaziergang entlang der Vorderseite. Von dort aus hat man nicht nur einen guten Blick über den im französischen Stil angelegten Garten, sondern auch auf das Giebelfeld über dem großen Portal, die eine Allegorie Belgiens zeigt.

#5 Die ruhige Place des Martyrs

Ein weiterer Platz in Brüssel an dem ich gerne bin ist die Place des Martyrs. Nur wenige Schritte vom Trubel der Einkaufsstraßen entfernt ist der Platz fast immer ruhig und nur wenige scheint es dorthin zu ziehen. Nach der belgischen Revolution 1830 errichtete man auf der Mitte des Platzes eine nationale Gedenkstätte. Der Leo Belgica, der belgische Löwe bewacht hier zusammen mit einer Frau, welche die Freiheit darstellen soll die Crypta der in der Revolution Gefallenen.

Auf der Place des Mertyrs herrscht immer eine angenehme Ruhe
Auf dem Platz herrscht immer eine wohlige Ruhe, mitten im Einkaufsviertel der Stadt.

In den neoklassizistischen Gebäuden des Platzes haben viele flämische Minister ihre Arbeitsplätze, worunter auch der flämische Ministerpräsident.
Ganz in der Nähe startet auch meine in einem anderen Beitrag beschriebene Stadtwanderung zum Thema „Belgische Revolution“.

#6 Das Flatiron Building von Brüssel

In New York City steht eines der wohl berühmtesten Eckhäuser der Welt, das Flatiron Building. Es wird so genannt, da seine spitze Form an ein riesiges Bügeleisen (engl.: flatiron) erinnert. Was viele nicht wissen ist, dass es in Brüssel auch solch ein Bügeleisengebäude gibt, wenn auch nicht so riesig.

Flatiron Building in Brüssel
Wenn auch nur 1/5 so hoch wie sein Vorbild in NYC ist es architektonisch sehr sehenswert.

Das Gebäude steht an der Ecke Rue de la Fiancée und Boulevard Adoplhe Max direkt hinter der Place de Brouckère. Das ganze Viertel wurde erst vor einigen Jahren für den Autoverkehr geschlossen. Man ist nun dabei die alten Boulevards in Fußgängerzonen um zu gestalten. Dies alles wertet die Innenstadt von Brüssel weiter auf.

#7 Der Park Botanique

Umgeben von Zahlreichen Bürogebäuden zwischen der Place Rogier und dem Kulturzentrum Le Botanique befindet sich ein langgestreckter Park. Einst beherbergte der botanische Garten Brüssels dieses Areal. Doch nach mehreren Verkleinerungen, Untertunnelung und Platzmangel zog der Botanische Garten nach Meise, vor die Tore der Stadt. Was geblieben ist sind einige seltene Pflanzen, eine Art Gewächshaus mit Rotunde und ein sehenswerter Skulpturenpark.

Park Botanique
Exotische Pflanzen im Park, „Wolkenkratzer“ im Hintergrund.

Der Park ist zwar nicht sehr groß, aber dafür sehr abwechslungsreich. Kleine Wege schlängeln sich durch die Anlage, vorbei an kleinen Teichen, Springbrunnen, Blumenbeten und vielen seltenen und exotischen Pflanzen. Übrigens, im Keller des Kulturzentrums wurde 1850 eine belgische Spezialität „erfunden“. Ein Gärtner entdeckte, dass bei Dunkelheit, Wärme und Feuchtigkeit die Wurzeln der Wegwarten diese speziellen Blätter bilden, die wir heute als Chicorée kennen.

#8 Der Leopoldpark im Europaviertel

Direkt hinter den Gebäuden des Europäischen Parlaments liegt der hügelige Leopoldpark. Einst beherbergte er den Zoologischen Garten Brüssels. Doch nachdem dieser wegen finanziellen Schwierigkeiten schließen musste, entschied die Stadt Brüssel sich dazu den Park neu einzurichten. Es sollte dort ein Wissenschaftspark entstehen. Zusammen mit der Freien Universität Brüssel errichtet man mehrere villenartige Gebäude, die den Studenten Platz zum Studieren bieten sollten. Diese prachtvollen Institute und die Solvay-Bibliothek im Jugendstil sind auch heute noch im Park zu bewundern.

Im Leopoldpark treffen europäische Institutionen auf Erholung
Straußstatuen in einem eingezäunten Beet erinnern an die frühere Nutzung der Parkes als Zoologischen Garten

Das ehemalige Institut für Zahnmedizin wurde vor einigen Jahren umgebaut und beherbergt nun das Haus der Europäischen Geschichte. In vielen anderen Gebäuden sind Büros für die Europäischen Union untergebracht. Vor allem im Sommer ist der Park ein beliebter Treffpunkt, in dem auch viele Bürokraten der EU ihre Mittagspause verbringen.

#9 Das „Schlumpf-Fresko“ an der Carrefour de L´Europe

Brüssel ist bekannt für seine Comics die über die ganze Stadt verteilt an leeren Hauswänden gezeichnet wurden. Eines der neuesten Kunstwerke ziert die Decke eines Verbindungsweges zwischen dem Zentralbahnhof und der Altstadt. Verlässt man den Bahnhof über den Haupteingang befindet man sich auf der Carrefour de L´Europe. Unter dem gegenüberliegenden, hufeisenförmigen Gebäude, dass ein Hotel und Geschäfte beherbergt, führt eine Art Tunnel in die dahinterliegende Altstadt.

Die "Sixtinische Kapelle von Brüssel" - Ein Schlumof Fresko an der Decke ene Fußgängerunterführung am Hauptbahnhof
Die „Sixtinische Kapelle von Brüssel“ – Ein Schlumof Fresko an der Decke ene Fußgängerunterführung am Hauptbahnhof

Noch vor einigen Jahren führte eine Straße durch den Tunnel. Doch im Zuge der Verkehrsberuhigung der Brüsseler Innenstadt wurde aus dem Platz und den umliegenden Straßen eine Fußgängerzone. Seit 2017 ziert ein riesiges Comic der Schlümpfe die Decke der Unterführung. Im Selben Gebäude, quasi auf der Rückseite wurde auch vor einigen Jahren das MOOF-Museum eingerichtet. Es zeigt eine Vielzahl von Comicfiguren. Im Museum befindet sich auch ein Schlumpf-Laden, in dem man vieles der kleinen Blauen Belgier kaufen kann.

#10 Der Friedhof von Laeken

Mein letzter Tip liegt etwas außerhalb des Stadtzentrums. Der Friedhof von Laeken ist einer der ältesten Friedhöfe der Stadt und es liegen dort einige Berühmtheiten. Die königliche Krypta befindet sich auch direkt neben dem Friedhof in der Liebfrauenkirche zu Laeken.

Friedhof von Laeken
Die vielen großen Gräber bilden eine perfekte Kulisse für einen Gruselfilm

Auf dem Friedhof reihen sich die mächtigen Gräber um den Chor der alten Kapelle. Dieser wurde beim Bau der großen Liebfrauenkathedrale als Rest der alten Kirche übrig gelassen. Die zum Teil zweistöckigen Grabsteine und kleine Tempel sind die Ruhestätten für zahlreiche berühmte Brüsseler:
Die Architekten Alphonse Balat (königlichen Gewächshäuser) und Joseph Poelaert (Justizpalast). Adolphe Delhaize, Gründer der gleichnamigen Supermarktkette. Doch vor allem viele Bürgermeister, Politiker und Diplomaten aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

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