Cuberdons – süße Kegel, die Belgien nicht verlassen

Cuberdons sind ein echter Geheimtipp unter den belgischen Süßigkeiten. Doch in nur sehr wenigen Reiseführern werden diese Köstlichkeiten erwähnt. Dabei findet man sie ausschließlich in Belgien! Warum das so ist? Es hat einen ganz einfachen Grund…

Immer diese Apotheker…

Apotheker waren in Belgien schon immer kleine Erfinder, wenn es darum geht ihre meist bitter schmeckende Medizin in eine leckere Hülle zu packen. Wenn man nicht, wie bei der Erfindung der Praline, mit Schokolade experimentierte, versuchte man mit Zucker den Kunden die Arznei schmackhaft zu machen. So entdeckte der Überlieferung nach der Apotheker de Vynck aus Gent 1873 zufällig die Herstellung der Cuberdons. Er suchte nach einer Methode seine Medikamente haltbarer zu machen und versuchte sie mit Sirup zu ummanteln. Dabei gelang es ihm zufällig die Hülle gerade so fest zu bekommen, dass das Innere im flüssigen Zustand eingeschlossen blieb. Das hatte er zwar nicht so beabsichtigt, aber dadurch wurden die Cuberdons geboren. Darüber hinaus schmeckten die neuen Kreationen so gut, dass er begann sie als Süßigkeit zu verkaufen.

(C) Copyright Stad Gent

Zucker und Sirup formen die Cuberdons

Schnell wurden Cuberdons auch außerhalb Gents sehr populär. Die Grundsubstanz, die die Hülle festigt ist Gummi Arabicum, ein aus dem Saft von afrikanischen Akazienbäumen gewonnener Sirup. Die klassischen Cuberdons sind lila. Zum Färben benutzt man den Saft von roten Früchten. Eine geheime Mischung aus Himbeeren und Zucker dient dabei als Geschmacksträger. Mittlerweile gibt es sie jedoch auch in sämtlichen anderen Farben und Geschmäckern. Von Apfel oder Birne über Kokosnuss bis Kirsche, Zitrone und Pfirsich ist für jeden was dabei.
Eins haben sie jedoch alle gemeinsam, die Kegelform. Wie es dazu kam bleibt wie das originale Rezept ein Rätsel.

Apropos Kegelform …

Cuberdons haben im Volksmund unterschiedliche Namen. Was alle Bezeichnungen gemeinsam haben, ist ihre Anspielung auf die Form. Während sie in Flandern als „Gentse neus“ oder „Neuzeke“ (Genter Nase oder Nässchen) bekannt sind, verwendet man auf Französisch auch schonmal „chapeau de curé“ (Pastorsmütze). Die genaue Bedeutung von „Cuberdon“ ist bis heute aber umstritten. Einige Linguisten sagen, es sei ein Kofferwort aus den französischen Wörtern „cul (de) bourdon“ was so viel wie „Hummelhintern“ bedeutet. Aber auch da wäre ja wieder die Kegelform zurück zu finden.
Mittlerweile gibt es im 2020 umstrukturierten Viertel des ehemaligen Güterbahnhofs „Tour et Taxis“ in Brüssel sogar eine Straße, die den Namen der süßen Kegelchen trägt. Die „Passage de Cuberdon“ reiht sich in die kulinarische Gesellschaft ihren Parallelstraßen „Passage de Praline“, „Passage du Speculoos“ und der „Passage du Chicon“ ein.

Bekannte Zutaten, geheime Rezeptur

Was in den süßen Kegeln steckt ist bekannt, auch die Art und Weise wie man sie herstellt ist überliefert: Zuerst wird die Hülle aus Gummi Arabicum in die Kegelförmchen gegossen und kurz getrocknet. Anschließend füllt man diese mit dem flüssigen Sirup. Zum Schluss wird der Boden wieder mit Gummi arabicum geschlossen. Das Ganze wir dann kurz bei schwacher Hitze gebacken und sofort danach mit Stärkemehl bestreut, damit sie nicht aneinander kleben bleiben. Die genauen Mengen der Zutaten sind aber strenges Betriebsgeheimnis der verschiedenen Hersteller.

(C) Olivier Carrere

Kurze Lebensdauer

Da die Hülle der Cuberdons das Zucker im flüssigen Inneren kristallisiert, sind sie nur maximal 10 Tage haltbar. Danach verlieren sie ihren weichen Kern und werden hart. Das ist dann auch das Geheimnis dahinter warum Cuberdons nicht exportiert werden. Da es sich um ein zertifiziertes Regionalprodukt handelt, das an strenge Vorlagen bei der Qualität gebunden ist, würde es sich wegen der sehr kurzen Haltbarkeit der typischen Konsistenz der Cuberdons nicht lohnen, diese ins Ausland zu transportieren und zu verkaufen. Deswegen sind sie außerhalb Belgiens auch kaum bis gar nicht zu finden.
Es gab jedoch eine einmalige Ausnahme. Um den belgischen EU-Vorstands zu feiern verteilte man im September 2010 in allen Hauptstädten der EU Cuberdons an die Bevölkerung.

Wo finde ich Cuberdons?

Da Cuberdons nicht lange haltbar sind, findet man sie auch nicht immer im Sortiment eines Supermarktes. Meistens führen die größeren Ketten von belgischen Schokoladen- oder Pralinenherstellern in den Städten auch Cuberdons oder andere Süßigkeiten. In der ostflämische Hauptstadt Gent jedoch reihen sich am Groentenmarkt die Cuberdonhersteller wie Perlen an einer Kette aneinander. Natürlich ist einer besser, leckerer, frischer oder billiger als seine Konkurrenten.

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Genter Groentenmarkt als Kriegsgebiet erklärt

Dieser Konkurrenzstreit führte schon oft zu theatralen Szenen auf dem Groentenmarkt. Wenn die verschiedenen Händler ihre Waren hinter ihren Handkarren vor den Geschäften um die Wette anpreisen, kommt man sich manchmal vor wie auf einem Wochenmarkt. Seit 2011 spricht man sogar von einem „Neuzekesoorlog“ (Nasenkrieg). Denn immer wieder kamen sich die Verkäufer in die Haare, wurden sogar handgreiflich und die Stadt Gent erteilte schon mehrere Male Platzverweise für einige Händler. Seitdem der Bürgermeister von Gent den Händlern damit drohte ihre Verkaufszulassungen zu entnehmen hat sich der Konflikt etwas beruhigt.

Es ist also ein kleines Abenteuer, in Gent an die frischesten und besten Cuberdons zu kommen. Hat man sie allerdings mal ergattert, sollte man sie bewusst genießen. Denn wie schon mehrmals erwähnt sind die kleinen Kegel nicht überall und schon gar nicht außerhalb Belgiens zu bekommen.

Andy

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