Das Plantin-Moretus Museum – ein Ort wie aus einer anderen Zeit…

In der Altstadt von Antwerpen versteckt sich ein Gebäude, in dem die Zeit stehen geblieben scheint: das Plantin-Moretus Museum! Es beinhaltet eine einmalige Sammlung an alten, teilweise noch funktionierenden Druckpressen und einige der ältesten gedruckten Bücher Europas. Was es sonst in der Druckerei zu entdecken gibt und was dieses Museum weltweit einmalig macht lest ihr hier

Verzaubert in eine andere Zeit…

Beim Betreten des Museums wird man sofort in das 16. Jahrhundert zurückversetzt. In dem alten Gebäude am Vrijdagmarkt, mitten in der Antwerpener Altstadt war einst der Wohnsitz und die Werkstadt der Druckereifamilie Plantin untergebracht. Wie ein Wunder scheinen die fast 500 Jahre an diese Einrichtung spurlos vorbei gegangen zu sein.

Vrijdagmarkt
Der Museumseingang befindet sich am Vrijdagmarkt.

1555 eröffnete die damals erste industrielle Druckerei mit 80 Mitarbeitern und war lange Zeit die einzige ihrer Art. Christoph Plantin, der Gründer der Druckerei machte die Werkstätten zum Treffpunkt der Humanisten. Man erhielt Aufträge aus der ganzen Welt. So entstand in den Büroräumen der Druckerei und der Privatwohnung der Familie Plantin eine Sammlung an wichtigen Büchern, Manuskripten, Karten und Dokumenten. Diese sind auch heute noch in den gut erhaltenen, restaurierten Räumen zu entdecken. Unter den Gemälden, die die Wände der Privaträume zieren, sind auch Werke von Peter Paul Rubens zu finden.

Uralte Maschinen, Hunderttausende Lettern…

In der Druckerei stehen einige der ältesten Druckpressen der Welt. Teilweise stammen sie von um 1600. Da das Museum sehr interaktiv angelegt wurde, kann man die Pressen auch genauer betrachten. Zu bestimmten Zeiten ist es sogar möglich, selber Hand an zu legen und ein paar Worte auf Papier zu drucken. Hierfür werden unterschiedliche Lettern benutzt, die in unzähligen Satzkästen in der Druckerei aufbewahrt werden. Doch nicht nur lateinische Buchstaben umfasst die Sammlung, auch griechische, hebräische, altsyrische oder kyrillische Lettern wurden benutzt.

Druckerei
In der Druckerei stehen mehrere Druckpressen aus der Gründungszeit der Druckerei im Jahre 1555.

Was wir heute aus Word noch kennen, wurde damals schon beim Druck eines Buches benutzt: die verschiedenen Schriftarten. Die Kunden der Druckerei konnten zwischen Hunderten verschiedenen Schriftarten wählen. Die weltweit sehr populäre Schriftart ´Times New Roman´ basiert auf eine der von Plantin entwickelten Schriftart namens „Plantin“.

Buchstaben in den einzelnen Satzkästen.
Buchstaben in den einzelnen Satzkästen.

Das Familienunternehmen wächst

Mit der Zeit machte dich die Druckerei Plantin einen Namen in ganz Europa. Vor allem die Spanische Krone, zu der Flandern damals gehörte, gab Aufträge, um Dokumente und Bücher drucken zu lassen. Diese sollten dann in ihre Kolonien auf der ganzen Welt verschifft werden.
Nach dem Tod Plantins übernahm sein Schwiegersohn die Druckerei. Somit kam der Zusatz Moretus mit in den Namen der Druckerei. Bis 1876 blieb die Druckerei und die Wohnung in Familienbesitz. Edward Moretus verkauft den gesamten Gebäudekomplex mit seinem gesamten Inhalt der Stadt Antwerpen. Diese richtet dann das Museum ein, welches 1877 eröffnet wurde.

Innenhof des Anwesens
Im Innenhof der Druckerei und der Wohnungen findet man einen Ort der Ruhe.

Was macht das Museum so besonders…

Auch wenn das Museum von außen eher unscheinbar wirkt, in seinem Inneren sind regelrechte Schätze untergebracht.
Vielleicht liegt es daran, dass ich als Literaturinteressierter vor allem die Bibliothek des Museums so spannend fand. Sie ist gefüllt mit Büchern, Dokumenten, Manuskripten, Kartenmaterialen und Nachschlagewerken aus über 300 Jahren. Darunter befinden sich auch die ältesten Karten der Stadt Antwerpen, eine hingeschriebene Bibel aus dem Jahre 1403 und eine der seltenen Gutenberg-Bibeln . Auch den Buchladen aus dem 16. Jahrhundert, der in den hinteren Gebäuden eingerichtet ist, fand ich sehr interessant.

Die Bibliothek der Familie Plantin - Moretus
In den privaten Gemäuern befindet sich auch eine Bibliothek mit uralten Büchern von unschätzbarem Wert.

Die wichtigen Dokumente, worunter zum Teil die Druckvorlagen und das Geschäftsarchiv der Plantin-Moretus Druckerei, sind 2001 in die Liste des Weltdokumentenerbes aufgenommen worden. 2005 wurde dann das komplette Museum der UNESCO-Welterbeliste hinzugefügt. Dies weil sie die einzige erhaltene Druckerei aus der Renaissance und dem Barock ist. Dies macht das Museum einmalig, denn bis heute ist das Plantin-Moretus-Museum das einzige Museum in dieser Liste. Nicht einmal der Louvre wurde bisher dort aufgenommen.

Und noch eine Besonderheit bietet uns im Jahr 2020. Den dann feiert das Museum den 500. Geburtstag des Gründers der Druckerei: Christoph Plantin. Zu diesem Anlass wird es über das Jahr verteilt Sonderausstellungen und Events geben. Am 15. März verteilt das Museum zum Beispiel 500 Stücke Kuchen an seine Besucher und es wird Workshops und eine Lichtshow geben…

Andy

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