Die belgische Monarchie -erklärt an 10 Orten in Brüssel

Verglichen mit vielen anderen Ländern ist Belgien ein eher junges Land. Ein selbständiges Königreich ist es erst seit 1830. Bisher hat Belgien daher auch „nur“ sieben Könige gekannt. Woher die belgische Monarchie kommt, wer die belgischen Könige waren, was sie während ihrer Regentschaft gemacht haben und warum Belgien fast 5 Jahre keinen König hatte, erfahrt ihr in diesem Beitrag. Um die Geschichte Belgiens lebendiger erleben zu können, möchte ich euch an 10 Orten in Brüssel mehr über die belgischen Könige erzählen. (Wer möchte kann die Wanderung gut mit der zur belgischen Revolution kombinieren.)

1 Der Königliche Palast

Der Erste Ort ist ein sehr wichtiger für die belgische Monarchie. Der königliche Palast dienst seit der Unabhängigkeit Belgiens 1830 als Residenz der Könige. Hier befinden sich die Arbeitsstätten des Königs und der Königin, werden Staatsgäste empfangen oder wichtige Gespräche mit den Ministern geführt. Die im klassizistischen Louis-XVI Stil errichtete Fassade zeigt die wichtige Funktion des Gebäudes in der Oberstadt von Brüssel.

Der königliche Palast von Brüssel
Der königliche Palast von Brüssel

Ein Besuch im Inneren des Palastes

Der Palast ist während die königliche Familie im Sommerurlaub ist (Ende Juli bis Mitte August) für die Öffentlichkeit geöffnet und kann kostenlos besichtigt werden.
Sollte man das Glück haben in einer dieser Wochen dort zu sein, kann man sich ein hervorragendes Bild davon machen, wie die belgische Monarchie funktioniert und welche Aufgaben sie hat. Außerdem erhält man durch zahlreiche Exponate einen Einblick in deren Geschichte.
Auf einem ausgeschilderten Rundweg betritt man die einzelnen Räume und die darin befindlichen Ausstellungen über die Geschichte und Funktion der belgischen Monarchie. Am Ende des Rundgangs, im Spiegelsaal, dessen Decke ein riesiges Kunstwerk ist, gibt es eine interaktive Ausstellung, in der jedes Jahr unterschiedliche wissenschaftliche Experimente oder Spiele ausprobiert werden können.

Kronleuchter im Thronsal
Kronleuchter im Thronsaal

2 Die Kongresssäule

Mitten auf dem Place du Congrés steht eine Säule, die Kongresssäule. Auf deren Spitze ist eine Statue zu erkennen. Die dort oben abgebildete Person ist König Leopold I, der Erste König der Belgier. Auf dem Sockel der zwischen 1850 und 1859 errichtete Säule stehen verschiedene Daten an die wichtigen Ereignisse der Jahre 1830 -1831. Die dargestellten Figuren und Skulpturen sollen an den Nationalkongress von 1830 und der Unabhängigkeit Belgiens sowie an die belgische Monarchie erinnern.

Kongresssäule
Leopold I Kongresssäule

König Leopold I (1790 – 1865)

Regierte als König der Belgier und Prinz von Sachsen von 1831 bis 1865

Leopold I, der mit vollem Namen Leopold von Sachsen-Coburg-Gotha hieß, stammt aus einem Deutschen Adelsgeschlecht. Er war der Witwer der bei der Geburt ihres gemeinsamen Kindes verstorbenen Prinzessin Charlotte von England. Mit Großbritannien hatte er ebenso wie mit Russland ein gutes Band. Bevor Leopold der erste belgische König wurde, weigerte er den griechischen Thron.
1832 heiratetet Leopold I Prinzessin Louise-Marie van Orléans, die Tochter des französischen König Louis-Philippe. Somit war auch das Band mit Frankreich gestärkt.
Leopold I hatte sich sehr dafür eingesetzt, den Eisenbahnverkehr in Belgien zu fördern. So verdanken wir ihm die erste Zugverbindung Belgiens zwischen Brüssel und Mechelen. Außerdem war ein äußerst guter Diplomat, der gute Beziehungen mit anderen europäischen Ländern führte.

Büste Leopold I
Büste Leopold I

3 Place du Trône

Direkt hinter dem königlichen Palast befindet sich ein eher unscheinbarer Platz, die Place du Trône. Mitten auf diesem Platz steht ein Reiterstandbild von Leopold II. Er zählt heute zu einem eher unbeliebten König. Schon einige Male wurde die Statue beschmiert oder beschädigt. Doch was macht den Zweiten belgischen König so unbeliebt?

Leopold II an der Place du Trone
Leopold II am Place du Trône

König Leopold II (1835 – 1909)

Steckbrief:
Ältester Sohn von König Leopold I und Königin Louise-Marie
Regierte als König der Belgier und Herzog von Sachsen von 1865 bis 1909

König Leopold II ist dafür bekannt, Brüssel und ganz Belgien mit prächtigen, repräsentativen Gebäuden ausgestattet zu haben. Er war es, der den Bau des riesigen Justizpalastes und der zahlreichen Boulevards in Brüssel beauftragte. Doch auch der Jubelpark, der Triumphbogen, den Ausbau der königlichen Paläste in Laeken und Brüssel oder die königlichen Gewächshäuser gab er in Auftrag. Den Großteil dieser Bauten bezahlte er aus eigener Tasche. Doch woher kam sein Reichtum?

Kongo

Seit 1885 unterhielt er in Zentralafrika eine Privatkolonie, den Freistaat Kongo. Die dort gnadenlos ausgenutzte einheimische Bevölkerung verschaffte dem König ein unsagbar großer Reichtum. Seinen Reichtum und seine Macht wollte Leopold II dann durch den Bau der prächtigen Bauten in Brüssel, aber auch anderen belgischen Städten, demonstrieren.
Im Laufe der Zeit tauchten immer mehr Berichte über die grausame Behandlung der kongolesischen Bevölkerung auf und der Ruf der Königs hatte dadurch großen Schaden angenommen, den er bis an sein Lebensende mit sich trug.

4 Mont des Arts

Der Mont des Arts besteht aus mehreren Gebäuden, großen Treppen und einem Park mit Brunnen. Im Mittelalter befand sich an dieser Stelle das alte Judenviertel von Brüssel, welches nach mehreren Bränden jedoch immer mehr verkam und abgerissen wurde. Zunächst wurden dort große Palaste gebaut. Der Palast von Karl von Lothringen am oberen Ende des Platzes ist noch ein Überbleibsel davon.
König Leopold II ließ den Platz jedoch Ende des 19. Jahrhunderts umgestalten. Seine Eröffnung zur Weltausstellung 1910 überlebte Leopold II aber nicht. Der damals nur provisorisch angelegte Park wurde in den 1930ern neu angelegt und hat seitdem das heutige Aussehen.
Über eine Seite des Parker erstreckt sich die belgische Nationalbibliothek. Der Platz wurde bei seiner Umgestaltung zum Ort des Gedenken an König Albert I. Das Bibliotheksgebäude bekam den Namen Albertina und am Fuße der Treppe zu Unterstadt steht ein Reiterstandbild Albert I. Ihm gegenüber steht eine Statue seiner Frau, Königin Elisabeth.

Die Mont des Arts verbindet die Ober- mit der Unterstadt und ist König Albert I gewidmet.
Die Mont des Arts verbindet die Ober- mit der Unterstadt und ist König Albert I gewidmet.

König Albert I (*1875 – 1934)

Steckbrief:
Neffe von König Leopold II, Sohn von Prinz Phillipe und Maria von Hohenzollern-Simarigen
Regierte als König der Belgier und Herzog von Sachsen von 1909 bis 1934

Albert I wurde König völlig unerwartet zum Belgischen König. Er stand bei seiner Geburt an 4. Stelle der Thronfolge. Doch Kronprinz Leopold (Alberts Cousin und der Sohn von König Leopold II), Philippe von Flandern (Alberts Vater, der Bruder von König Leopold II) und Prins Baudouin (Alberts älterer Bruder) verstarben schon sehr früh. Damit war ab 1891 klar, dass Albert einst als Thronfolger König Leopold II nach seinem Tod folgen würde. Somit hatte er eine relativ kurze Vorbereitungszeit zum König.
Trotz dieser kurzen Vorbereitung hat er sich enorm für sein Land eingesetzt. Er setzte sich für neue Gesetze ein, wie z. Bsp. dem allgemeinen Wahlrecht. Außerdem förderte er die Wissenschaft in Belgien und unterstützte zahlreiche Museen und Institute bei ihren Forschungen. Auch heute noch sind die Ergebnisse davon z. Bsp. im Naturhistorischen Museum zu bewundern.
König Albert I starb im Alter von 59 Jahren bei einem Kletterunfall in den Ardennen.

Erster Weltkrieg

Als einer der wenigen europäischen Regenten blieb König Albert I während des Ersten Weltkrieges bei seinem Volk. Sein fast „ritterliches Verhalten“ während des Ersten Weltkrieges und die Unterstützung seiner Soldaten brachten ihm viel Ruhm. Er übernahm sogar selber die militärische Führung der belgischen Armee. Das Ansehen des ganzen belgischen Königshauses war durch die Solidarität König Albert I enorm im In- und Ausland gestiegen. Dass er im Volk sehr beliebt war zeigen die vielen Bauwerke, wie dem Albert-I Monument, dem Albertkanal, einigen Albert I-Parks und hunderten Albert-Straßen in Belgien und sogar im Ausland, die ihm nach dem Krieg gewidmet wurden.

5 Hôtel Bellevue

An der Place Royale steht ein Palast, der einst die erste Wohnung eines belgischen Königs war. Der damalige Prinz Leopold bezog das klassizistische Gebäude als Herzog von Brabant 1926 gemeinsam mit seiner Frau, der späteren Königin Astrid. Es wurde damals für sie renoviert und als Stadtwohnung umgebaut. Teile der Dekoration und Inneneinrichtung aus dieser Zeit sind auch heute noch zu bewundern. Bis Leopold 1934 den Thron besteigt wohnte er mit seiner Familie in den ersten beiden Etagen, das Erdgeschoss nutzte er als Arbeitsplatz.
Seit 2005, zu den Feierlichkeiten des 175. Jahrestags der Gründung Belgiens, beherbergt das Gebäude das Museum BELvue. Es zeigt u.a. Gegenstände aus den vergangenen 180 Jahren der belgischen Geschichte. Es werden aber auch gesellschaftliche Themen, wie Sprache, Demokratie und Migration angesprochen.

König Leopold III (1901 – 1983)

Ältester Sohn von König Albert I und Königin Elisabeth
Regierte als König der Belgier von 1934 bis 1951
Nahm 1950 Abstand vom Thron

Durch den plötzlichen Tod seines Vaters, König Albert-I, führte er 1934 als vierter König der Belgier die belgische Monarchie fort. Doch dies soll nicht der einzige Schicksalsschlag während seiner Regentschaft bleiben. Nur ein Jahr später, 1935, verlor er bei einem Autounfall in der Schweiz seine Frau, Königin Astrid. Sowohl für ihn, als auch seinen drei kleinen Kindern war dies ein sehr großer Verlust. Kurze Zeit später brach der Zweite Weltkrieg aus und wurde Belgien erneut angegriffen. Im Gegensatz zu seinem Vater musste er jedoch sehr schnell kapitulieren. Anschließend wurde er von den Deutschen im Schloss Laeken unter Hausarrest gehalten. Alles was danach geschah, hat in der damaligen Politik und Gesellschaft für viel Aufregung gesorgt; die sogenannte Königsfrage.

Das Hotel Bellevue liegt direkt an der Place Royale und ist mit dem Königlichen Palast verbunden.
Das Hotel Bellevue liegt direkt an der Place Royale und ist mit dem Königlichen Palast verbunden.

Die Königsfrage

Der Regierung gefiel schon nicht, dass König Leopold II während des Zweiten Weltkrieges nicht zusammen mit ihnen ins Exil ging. Später trifft Leopold II sich dann mit Hitler um die Zukunft Belgiens mit ihm zu besprechen. Das wird von der Regierung aber auch dem belgischen Volk stark kritisiert. Als er dann auch noch 1941, während seiner vermeintlichen Gefangenschaft, die schwangere Lilian Baels heiratet, ist das Ansehen des Königs im Volk nochmal gesunken. Man unterstellt ihm, dass er es gar nicht so schlecht habe in seiner „Gefangenschaft“. Auch nach dem Krieg, Leopold III war mittlerweile nach Österreich verschleppt, verfällt Belgien in einer Krise. Diese endet damit, dass Leopold III 1950 zugunsten seines Sohnes Baudouin abtritt. Dies war die letzte Rettung für die belgische Monarchie.

6 Kathedrale von Laeken

In Laeken steht nicht nur das königliche Schloss von Laeken, welches als Wohnsitz der Königsfamilien diente. Nur wenige hundert Meter Luftlinie steht die Kathedrale von Laeken. Diese wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu ehren der verstorbenen ersten Königin von Belgien Louise-Marie, im Auftrag von König Leopold I gebaut. 1872 wurde das damals noch turmlose Gebäude geweiht. Unter Leopold II wurden die Arbeiten ab 1908 wieder aufgenommen. 1911 wurde der Turm fertiggestellt. Er zählt zu den fünf höchsten Kirchtürmen Belgiens.
In der von Weitem schon sichtbaren Kathedrale befindet sich auch die königliche Gruft. Hier liegen alle Mitglieder der königlichen Familie begraben. Neben den Königen und Königinnen befindet sich auch das Grab einer weiteren Person der Königsfamilie, welche die belgische Monarchie eine weile vertrat: Prinz-Regent Karel.

Die Kathedrale von Laeken
In der Kathedrale von Laeken befindet sich die Krypta in der alle Mitglieder der belgischen Königsfamilie beerdigt werden.

Prinzregent Charles / Karel (1903 – 1983)

Jüngerer Bruder von König Leopold III
Letzter Graf von Flandern
Übernahm als Regent die königlichen Geschäfte seines Bruders

Während sein Bruder, König Leopold III sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und Österreich befand, entschied die damalige belgische Regierung, Prins Karel als Regenten ein zu setzten. Dies schien ihnen sicherer, bis sich die Lage rund um die Königsfrage geklärt hatte. Von 1944 bis 1950 übernahm Prinz Karel alle Funktionen des belgischen Königs. Prinzregent Karel wird häufig dann auch nicht in die Liste der belgischen Könige genannt. Er wird oft nur als Übergangsregent gesehen zwischen König Leopold III und seinem Sohn Baudouin, der damals noch nicht volljährig war und somit nicht König werden durfte.

Büste von Prinzregent Karel
Büste von Prinzregent Karel im Belvue- Museum

„Retter der belgischen Monarchie“ in einer international wichtigen Zeit

Die Nachkriegszeit war geprägt von internationalen Bündnissen und Abkommen. Die Welt wurde damals neu geordnet und auch Belgien spielte dabei eine wichtige Rolle. Dabei sollte Belgien selbstverständlich auch durch einen Repräsentanten vertreten werden. Da der offizielle Monarch Belgiens jedoch weder im Lande noch wirklich von seinem (ganzen) Volk akzeptiert wurde, war es um so wichtiger, dass Karel diese Funktion übernahm. Als belgisches Staatsoberhaupt unterzeichnete er die Verträge zur Gründung der Benelux-Staaten, der Vereinten Nationen, der NATO oder dem Europarad (Vorgänger der EU). Alles auch heute noch bestehende Vereinigungen, in denen Belgien teilweise eine große Rolle spielt. Karel war außerdem ein guter Diplomat und pflegte viele gute Kontakte z.Bsp. zum Weißen Haus in Washington, dem Vatikan und besonders mit Churchill nach London.

7 Kathedrale Saint-Michel et Gudule

Eine weitere Kathedrale in Brüssel, die eng mit der belgischen Monarchie verbunden ist, ist die Hauptkirche der Stadt Brüssel. Sie gilt als Nationalkirche Belgiens und wurde ab dem 13. Jahrhundert erbaut. Dies war lang bevor es Belgien und sein Königshaus gab.
Die erste königliche Hochzeit fand erst 1926 in der Kathedrale statt. Damals heiratet Leopold, Prinz von Brabant, (der spätere König Leopold III) Prinzessin Astrid von Schweden. Von da an heirateten viele Mitglieder der königlichen Familie in dem prächtigen Kirchengebäude.
Doch auch zu weniger erfreulicheren Ereignissen der Königsfamilie wurden Messen dort gefeiert. So gut wie alle Beerdigungen der belgischen Monarchen haben seit der von Albert I dort stattgefunden, zuletzt 2014 die von Königin Fabiola, der Ehefrau von König Baudouin.

Büste von König Baudouin auf dem Platz vor der Kathedrale
Büste von König Baudouin auf dem Platz vor der Kathedrale

König Baudouin (1930 – 1993)

Ältester Sohn von König Leopold III und Königin Astrid
Regierte als König der Belgier von 1951 bis 1993
Verheiratet mit Dona Fabiola Mora y Aragon

Als Baudouin 1951 seine Volljährigkeit erreichte, übernahm er die Rolle des belgischen Königs und somit auch die Funktion von Prinzregent Karel. Der junge König Baudoin, er war damals gerade mal 21 Jahre alt, wurde vom belgischen Volk schnell akzeptiert. Seine Ehe mit Königin Fabiola blieb kinderlos. Nach mehreren fehlgeschlagenen Schwangerschaften, hatten sie sich damit abfinden müssen keine eigenen Kinder bekommen zu können. Das jedoch sehr kinderliebe Königspaar setzte sich seit je her für alle Kinder ein und unterstützte sie wo es nur ging. So war er ein sehr volksnaher König, der in ganz Belgien große Beliebtheit genoss. Dies wurde vor allem bei seiner Beerdigung 1993 sichtbar, Millionen Menschen am königlichen Palast Blumen niederlegten.

Die Büste von König Baudouin
Die Büste von König Baudouin

Belgien wurde politisch umgebaut

Während der fast 40-jährigen Regentschaft Baudouins erlebte Belgien viele Reformen und eine komplette politische Umstrukturierung. Die Unruhen zwischen den Flamen und Wallonen blühten wieder auf und es war damals Baudouins große Aufgabe diesen Streit immer wieder zu schlichten. Die daraus resultierende Sprachengrenze, die Anfang der 1960er festgelegt wurde, war nur ein Teil davon. Auch die Aufteilung Belgiens in verschiedene Regionen und Gemeinschaften bis hin zur Verteilung ihrer Zuständigkeiten mussten immer erst vom König abgesegnet werden.
Nur ein Mal hat König Baudouin sich geweigert einem Gesetz zuzustimmen. 1990 sollte ein neues Gesetz zur Abtreibung in Belgien verabschiedet werden. König Baudouin war sehr gläubig und konnte die Einführung dieses Gesetzes jedoch nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Also bat er die damalige Regierung darum, ihn für 36 Stunden von seinen Pflichten als König zu entlassen. Laut belgischem Grundgesetz konnte in diesem Fall der Rat der Minister das Gesetz selber verabschieden, was dann auch so geschah.

8 Saint-Jaques sur Coudenberg

Neben den Hochzeiten und den Beerdigungen werden auch die Taufen der Mitglieder der königlichen Familie gefeiert. Die Tradition will es, dass dies in der Kirche Saint-Jaques sur Coudenberg an der Place Royale geschieht. Daher ist sie auch mit dem Königlichen Schloss verbunden und grenzt direkt an deren Garten.
In dieser Kirche legte König Leopold I am 21. Juli 1931 auf den Treppen vor dem Portal seinen Eid auf die belgische Verfassung ab. Es ist also quasi der Ort der Geburtsstunde des belgischen Königshauses.
Im neoklassizistische Bau aus dem 18. Jahrhundert hängen außerdem die Totengedenktafeln der verstorbenen belgischen Könige und die von Prinzregent Karel. Das helle Innere des Gotteshauses ist völlig auf das komplette Gebäudeensemble rund um den Place Royale abgestimmt. Für mich ist der Platz wegen seiner Harmonie einer der schönsten Orte in Brüssel.

In der Kirche wurden fast alle Mitglieder der Königsfamilie getauft.
In der Kirche wurden fast alle Mitglieder der Königsfamilie getauft.

König Albert II (*1934)

Jüngerer Bruder von König Baudouin
König der Belgier von 1993 bis 2013
Trat 2013 aus gesundheitlichen Gründen ab

Albert wurde nach dem Tod seines Bruders Baudouin 1993 der sechste König der Belgier. Er hatte wenig damit gerechnet, dass er dieses Amt einmal einnehmen werde, da man nicht davon ausgegangen war, dass Baudouin mit 69 Jahren stirbt. Albert II war damals selber schon fast 60 und eigentlich war Prinz Philippe dafür vorgesehen einmal Thronfolger von König Baudouin zu werden.
Von allen belgischen Königen war Albert II, derjenige, der eher weniger auffällig war. Dennoch, oder gerade deshalb war er beim Volk sehr beliebt. Seine Frau, Königin Paola, interessiert sich sehr für Kunst und war die Schirmherrin zahlreicher Organisationen, die sich für das Wohl von Kindern einsetzen.
2013 macht König Alber II bekannt, dass er aus gesundheitlichen Gründen und wegen seines hohen Alters abdanken würde. Daraufhin wurde sein ältester Sohn, Prinz Philippe zum König.

9 Königlicher Palast in Laeken

Der Königliche Palast in Laeken ist der Wohnsitz der Königsfamilie. Hier wohnen zur Zeit König Philippe und Königin Mathilde mit ihren vier Kindern. Bis auf König Albert II, der im Schloss Belvédère wohnt, wohnten bisher alle belgischen Könige im Schloss Laeken.
Albert Kasimir von Sachsen-Teschen, der damalige Statthalter der Österreichischen Niederlande lies das Schloss in den 1780ern erbauen. Später bewohnte es sogar Napoleon kurz, eh er es seiner Ex-Frau schenkte, die jedoch nie dort lebte. Von 1815 bis 1830 gehörte es dem niederländischen König Wilhelm I. Nach der belgischen Revolution 1830 bekam es seine jetzige Bestimmung als Residenz der belgischen Könige.
Zum Schloss gehört ein weitläufiger Park in dem König Leopold II einen riesigen Komplex von Gewächshäusern bauen ließ. Nach einem Brand im Jahre 1890 ließ König Leopold II das Schloss nach seinen Vorstellungen wieder auf- und umbauen. Diese Arbeiten wurden 1909 jedoch von König Albert I abgebrochen. Seitdem wurde an dem Schloss nichts mehr verändert.

Schloss von Laeken
Das Schloss von Laken ist der Wohnsitz des amtierenden Königs und seiner Familie

König Philippe (*1960)

Sohn von König Albert II und Königin Paola Ruffo di Calabria
Verheiratet mit Mathilde d´Udekem d´Acoz
Seit 2013 Siebter König der Belgier

König Philippe wurde in seiner Jugend immer wieder als Nachfolger von König Baudouin gesehen, da dieser keine eigenen Kinder hatte und ein sehr gutes Verhältnis zu seinem Neffen hatte. Nach seinem Abitur schloss König Philippe eine Ausbildung zum Kampfpiloten bei der Königlichen Militärschule ab. Anschließend machte er einen Master in politischen Wissenschaften. Da Philippe nach dem plötzlichen Tod seines Onkels 1993 als noch zu jung und unerfahren angesehen wurde, folgte sein Vater Albert erstmal auf den Thron. Doch Philippe übernahm schon damals einige offizielle Aufgaben seines Vaters.
1999 heiratete Philippe mit Mathilde d´Udekem d´Acoz. Sie bekamen vier Kinder und übernahmen immer mehr offizielle und wichtige Funktionen. Im Frühjahr 2013 dankte König Albert II ab und am 21. Juli 2013 übernahm Philippe das Amt des König der Belgier von seinem Vater.
König Philippe ist stets damit bemüht die belgische Monarchie zu modernisieren. So wurde beispielsweise seit seiner Thronbesteigung eine Website und später auch ein Instagramaccount eröffnet, der das Leben der königlichen Familie dokumentiert.

Porträt von König Philippe
Porträt von König Philippe in der Eingangshalle des königlichen Palastes in Brüssel

10 Sint-Jan Berchmanscollege

Diese katholische Schule liegt im Süden von Brüssel unweit der Kapellenkirche. Sie gehört zu den ältesten Schulen der Stadt mit Wurzeln im 16. Jahrhundert. Die alten Gebäude des Colleges wurden 1891 auf Grund der Umstrukturierung des ganzen Stadtviertels dem Erdboden gleich gemacht. 1908 errichtete man an gleicher Stelle den heute noch sichtbaren Gebäudekomplex. heute läuft die Zugstrecke, der Nord-Süd Verbindung quer durch Brüssel genau an dem Gebäude vorbei.
Die Schule wurde ursprünglich als französischsprachige Sekundarschule eröffnet, ab 1953 ist sie jedoch rein niederländischsprachig. Bis 1993 unterrichteten auch noch Jesuiten an der Schule.
Sowohl die Kinder von Prinzessin Astrid (die jüngere Schwester von König Philippe) als auch die Kinder von König Philippe besuchen oder besuchten das Sint-Jan Berchmanscollege.

Im Jan-Berchmanscollege gehen viele Kinder der heutigen Königsfamilie zur Schule
Im Jan-Berchmanscollege gehen viele Kinder der heutigen Königsfamilie zur Schule

Prinzessin Elisabeth (*2001)

Tochter von König Philippe und Königin Mathilde
Belgische Thronfolgerin

Seit ihrer Geburt wird Prinzessin Elisabeth zu den Thronfolgern der belgischen Monarchie gerechnet. Dies war aber nur nach einer Gesetzesänderung möglich. 1991 wurde das noch im belgischen Grundgesetz verankerte Lex Salica (Salisches Recht) abgeschafft. Dieses Gesetz bestimmte, dass nur männliche Nachkommen der belgischen Königsfamilie als rechtmäßige Thronfolger in Frage kommen können. Somit wird Elisabeth einmal die belgische Monarchie vertreten.
Sie ist auch die erste belgische Thronfolgerin, die eine normale Schullaufbahn absolviert hat. Seit einigen Jahren nimmt sie auch offizielle Aufgaben wahr, wie zum Beispiel die Inbetriebnahme der nach ihr benannten Forschungsstation, in der Antarktis oder die Eröffnung des Prinzessin-Elisabeth-Krankenhaus in Gent. Seit ihrem 18. Geburtstag am 25.10.2019 trägt auch der Windmühlenpark vor der belgischen Küste ihren Namen. Außerdem bekam sie von der Post eigene Briefmarken…

Die anlässlich des 18. Geburtstags von Prinzessin Elisabeth ausgegeben Briefmarken der belgischen Post

Andy

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