Die Garnelenfischer von Oostduinkerke

Seit über 500 Jahren fischen die Garnelenfischer in dem kleinen belgischen Küstenort Oostduinkerke auf eine ganz spezielle Weise. 2013 wurde genau diese Art des Garnelenfischens auf die Liste des Immateriellen Welterbes der UNESCO aufgenommen. Doch was genau macht diese jahrhundertealte Tradition so besonders?
In diesem Beitrag möchte ich euch was über die Geschichte des Garnelenfangs an der belgischen Küste erzählen und euch von meinem Besuch bei den Fischern im August 2018 berichten.

Eine ganz besondere Art Garnelen zu fangen

Wie an der ganzen Nordseeküste fischte man seit Jahrhunderten Garnelen zu Pferd. Mit und mit jedoch verschwand diese Tradition und übernahmen Boote die Arbeit der Pferde. So sind im Laufe der Jahre in Frankreich, England, den Niederlanden und Belgien schon lange die Pferde durch Schiffe ersetzt worden. Aber nicht so in Oostduinkerke. Dort werden auch heute noch Garnelen zu Pferd aus dem Meer geholt. Man sagt, es sei der einzige Ort auf der Welt an dem noch auf diese alte Tradition zurückgegriffen wird.

Gute Voraussetzungen für den Fang…

Der Strand von Oostduinkerke eignet sich dann auch hervorragend für den Garnelenfang. Es gibt keine Wellenbrecher und der Strand ist breit und selbst bei Flut ist das Wasser nicht sehr tief.
Als Zugtiere werden ausnahmslos Brabanter eingesetzt. Diese belgische Kaltblut-Pferderasse eignet sich durch seine starke Zugkraft und der ruhigen und sanften Art besonders gut.

Der weite Strand von Oostduinkerke eignet sich sehr gut für den Fang von Garnelen

Der Ablauf

An der Strandpromenade treffen sich die Schaulustigen mit den Garnelenfischern und ihren Pferden. Die sanften Riesen können dann kurz vom Publikum gefüttert und gestriegelt werden eh man sich gemeinsam auf den Weg an den Strand macht. Die Pferde wurden im Stall schon mit einem speziellen Geschirr versehen, an dem später das Netz befestigt wird. Alles was dazu benötigt wird, ziehen die Pferde in einer Art Anhänger hinter sich bis sie die ersten Wellen erreicht haben. Die Fischer schlüpfen in ihre gelben Regenkleidung und setzten sich den typischen Fischerhut auf. Ein Konvoi aus Pferden, Garnelenfischer und deren Publikum zieht dann Richtung Meer, welches je nach Tidenstand 100-300m weit weg liegt.

Mit Anhängern erreichen die Fischer das Meer
Ab geht’s ins Meer

Dort angekommen werden die Wagen abgestellt und die Netze hinter die Pferde gespannt. Damit die Pferde keine Panik bekommen wenn sie im Meer sind und das Land nicht mehr sehen, werden ihnen die Augen verbunden. Rechts und Links werden am Sattel Körbe befestigt, in denen der Fang gelagert wird.

Das Garnelenfischen

Nun kann das Garnelenfischen los gehen. Der Fischer setzt sich aufs Pferd und führt es immer tiefer ins Meer hinaus. Soweit bis die Wellen ungefähr den Bauch der Tiere berührt. Dann geht man parallel zum Strand langsam in großen Schleifen auf und ab. Je nach Wetterlage wird so 2 bis 3 Stunden gefischt eh man mit gefüllten Netzen wieder an den Strand zurückkehrt.
Dort wird dann alles was sich in den Netzen befindet sortiert. Garnelen kommen in die Körbe, kleine Fische, Krebse und Quallen werden zurück ins Meer geworfen. Darüber freuen sich natürlich die Möwen, die den Moment schon lange im Hintergrund abwarten.
Leider hat man in den letzten Jahren immer Meer Müll mit in den Netzen, der natürlich entsorgt wird damit er nicht wieder zurück im Meer landet.

Das Garnelenfischen kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen

Die Tradition am Leben behalten

Die Kunst des Garnelenfischens zu Pferd war immer schon nur von wenigen Fischern erlernt worden. Den Höhepunkt erreichte man mit 40 Fischern in den 1940ern. In den darauffolgenden Jahrzehnten nahm die Zahl der Garnelenfischer immer weiter ab. 1967 gab es nur noch 7 Fischer an der belgischen Küste, die die Tradition aufrecht erhielten. Unter ihnen waren viele Ältere. Nur wenige Jahre später waren nur noch 3 Fischer von ihnen übrig geblieben. Diese setzten es sich zum Ziel die jahrhundertealte Tradition wieder aufblühen zu lassen.
Wie bei vielen traditionellen Berufen geht auch das Garnelenfischen von Vater auf den Sohn über. So gibt es heute wieder auffällig viele Väter und Großväter die mit ihren Söhnen und Enkeln und deren Pferde in das Meer ziehen um Garnelen zu fischen. Darüber hinaus sind mittlerweile auch einige Frauen eingestiegen.

Am Strand von Oostduinkerke steht ein Monument, das an die Garnelenfischer erinnernt
Am Strand von Oostduinkerke steht ein Monument, das an die Garnelenfischer erinnert

Zusätzliche Infos

Von April bis September kann man den Garnelenfischern bei der Arbeit zugucken. Auf ihrer Website stehen die Zeiten an denen sie fischen gehen und wann es danach eine Verköstigung des Fangs gibt. Im Nationalen Fischereimuseum „Navigo“ (Nationaal Visserijmuseum) in Oostduinkerke-dorf kann man das ganze Jahr über mehr über die Fischerei im allgemeinen und den Garnelenfischern von Oostduinkerke im besonderen erfahren.
Wollt ihr weitere Informationen über die belgische Küste? Schaut doch mal in meinen Beitrag über die Wanderung von De Panne nach Knokke oder dem Beitrag zur Geschichte der belgischen Küste rein.

Schreibe einen Kommentar