Die Klosterruinen von Villers-la-Ville, Geschichten uralter Gemäuer

Im Süden der Provinz Wallonisch Brabant liegen zwischen Wälder und Wiesen verborgen die Klosterruinen von Villers-la-Ville. Die Ruinen stellen heute ein besonderes Zeugnis des klösterlichen Lebens eines Zisterzienserordens dar. Die Reste des Klosters zählen zu den ältesten gotischen Bauten des Landes.

Aufbau, Einflussgebiet und Blütezeit des Klosters

Das Kloster wurde 1146 gegründet und bis ins 13. Jahrhundert immer weiter ausgebaut. Allein der Bau der gotischen Kirche dauerte 100 Jahre. In den darauffolgenden Jahrhunderten gehörten teilweise bis zu 100 Mönche dem Kloster an. Die Klostergemeinschaft von Villers-la-Ville gründete zahlreiche Ländereien, kleinere Klöster und Beginenhöfe von Antwerpen bis Namur und breitete dadurch ihr Einflussgebiet weiter aus. Die Ausbreitung war für ein Kloster der damaligen Zeit enorm. Zusätzlich erlebte das Kloster große Beliebtheit in den damaligen südlichen Niederlanden. Die große Bibliothek versammelte neben wertvollen Bibeltexten auch immer mehr theologische Werke. So wurde der Einfluss des Klosters auch in den Universitäten von Leuven oder Paris spürbar.

Gewölbe in der Klosterabtei
In den verschiedenen Gebäudeteilen, kann man sich gut vorstellen, wie die Mönche hier einst gelebt haben.

Schleichender Untergang und Zerstörung der Bauten

Ab dem 14. Jahrhundert wurde die Anzahl Mönche und anderer Angehöriger des Klosters immer kleiner. Teilweise mussten die Ländereien vermietet oder verkauft werden, damit sie noch bewirtschaftet werden konnten. Die Übernahme der südlichen Niederlande durch die Herzöge von Burgund läutete den Untergang der Klostergemeinschaft ein. Die Herzöge forderten nun mehr Mitspracherecht in religiösen Belangen ein. Die Kriege und Plünderungen dieser Zeit zwangen die Mönche mehrfach zur Flucht. Jedes Mal wenn sie zurückkehrten reparierten sie die Schäden und modernisierten die Gebäude nach dem Standard der jeweiligen Zeit. Vom 15. Jahrhundert bis ins 18. Jahrhundert, zur Zeit der österreichischen Übernahme der südlichen Niederlande, erlebte das Kloster eine zweite Blütezeit. Einige Gebäude wurden im neoklassizistischen Stil umgebaut, ein Palast für den Abt hinzugefügt und Gärten angelegt.

Der endgültige Untergang des Klosters begann 1796. Im Zuge der Französischen Revolution, die auch in den südlichen Niederlanden eingezogen waren, wurden die Mönche für immer vertrieben. Das Kloster wurde geplündert und in den kommenden Jahrhunderten als Steinbruch benutzt. Stück für Stück wurden die Gebäude abgetragen und als Baumaterial verkauft. Den Rest des Verfalls übernahm die Natur.

Rettung der Ruinen durch die (Eisenbahn)Romantik

Die Ruinen verloren im 19. Jahrhundert zunehmend an gewinngebenden Materialien und verwahrlosten immer mehr. Im jungen Staat Belgien boomte in den 1850ern die Eisenbahn. Der Eigentümer des mittlerweile völlig nutzlosen und überwucherten Klosterareals verkaufte einen Teil seines Geländes, um dort die Eisenbahnstrecke von Charleroi nach Leuven bauen zu können. Die Ruinen wurden hiermit immer bekannter. Auch heute noch fährt man mit dem Zug direkt an ihnen vorbei und sind nach wie vor ein beliebtes Ausflugsziel.

Zugstrecke durch die Klosteranlage
Die Zugstrecke von Charleroi nach Leuven verläuft direkt an der Klosterruine entlang.

1893 kam das ganze Areal in den Besitz des belgischen Staates. Dieser ließ das Kloster teilweise wieder aufbauen und man versuchte zu retten was noch zu retten war. Für die romantische Strömung dieser Zeit waren die Ruinen natürlich prädestiniert. So besuchte der französische Schriftsteller Victor Hugo mehrmals das Kloster und soll sich dort angeblich für seine Werke inspiriert haben lassen.
Seit 1972 gehören die Ruinen des Klosters und das umliegende Areal zum kulturellen Erbe der Wallonie. Heute liefert die Klosterruine wichtige Informationen zur Architektur, Religion und Geschichte. Deswegen trifft man überall auf dem Areal verschiedene Stätten, an denen geforscht wird.

Klosterruinen von Villers-la-Ville als touristisches Ziel

Die Klosterruinen von Villers-la-Ville gehören heute zu den schönsten architektonischen Stätten Europas. Die verschiedenen Baustile, die gut erhaltene Klosterkirche und die außergewöhnlichen Gartenanlagen machen aus den Ruinen ein beliebtes Ausflugsziel. Im Besucherzentrum, welches sich in der alten Abteimühle befindet, wird vieles über die Entstehung und die Geschichte der Klosteranlage erzählt. Anschließend begibt man sich gewappnet mit einem Audioguide / Tablet und einem Plan in die Ruine und erfährt alles über das Leben in einem Kloster.

Rundes Fenster
In den Klosterruinen gibt es viele Details zu entdecken – wie hier dieses runde Kirchenfenster.

In und um der Abtei sind auch 5 verschiedene kleinere und größere Gärten angelegt. Diese Gärten sollen zeigen, wie die Mönche im Mittelalter Heilpflanzen anbauten und Nutzpflanzen kultivierten. Ein französischer Ziergarten mit zahlreichen Sitzgelegenheiten lädt zum Verweilen ein. Im hinteren Bereich befindet sich sogar ein Weinberg. Der dort produzierte Wein und verschiedene Biere werden in der Mikrobrauerei im wenige Kilometer entfernten Villers-la-Ville angeboten.

Gartenanlage
Die Klosteranlage verfügt über unterschiedliche Gartenanlagen, die sich gut in das Gesamtbild einbringen.

Die Klosteranlagen ziehen nicht nur Fotografen an, die in den Ruinen zahlreiche interessante Motive finden. Es finden auch regelmäßig unterschiedliche Theateraufführungen, Konzerte und geführte Sichtungen statt. Wer möchte kann sich auch auf einer meditativen Wanderung durch den Duftgarten entspannen. Kinder können sich in die Rolle eines Mönches versetzen und bei einer Schnitzeljagd die Klosterruine entdecken. Alle Informationen dazu findet man auf der Website der Abtei oder im Besucherzentrum.

Andy

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