Gent – Grachten, große Türme und ganz viel Licht

Im Dezember geht es in die Ostflämische Provinzhauptstadt Gent.  Im 9. Jahrhundert gehörte Gent zu einer der größten Städte Europas. Und auch noch heute gibt es viele Zeugen dieser glanzvollen Zeit der Stadt. Nicht nur zur Vorweihnachtzeit, sondern das ganze Jahr über findet man in Gent viele Sehenswürdigkeiten die einen Besuch wert sind.

Wie jeden Monat möchte ich euch nun meine Top 10 der Sehenswürdigkeiten für Gent vorstellen:

1. Der Vrijdagmarkt

Einer der größten Plätze der Stadt ist der Vrijdagmarkt. In der Geschichte der Stadt Gent spielt er auch eine wichtige Rolle. Die Grafen von Flanderen, deren Hauptsitz in Gent war, veranstalteten hier wichtige Feste, organisierten Turniere oder ließen Enthauptungen durchführen. Schon seit 1199 findet hier freitagsmorgens ein Markt statt. Dies verlieh dem Platz seinen Namen.  Das wohl wichtigste Monument auf dem Platz ist das Denkmal von Jacob van Artevelde. Dieser auch als „der weise Mann“ bekannte flämische Staatsmann aus dem 14. Jahnhundert sorgte einst dafür dass die Flamen seinen Ruhm als Handelsvolk in Europa erhielten.

Zwei weitere monumentale Bauten sind die Gebäude „Bond Moyson“ (1899) und „Ons Huis“(1902) an der Nordseite des Platzes. Ersteres diente einst als „Groote Magazijnen“ als ein Warenhaus für Stoffe, Kleidung und Kräuter. „Ons Huis“ ist seit jeher die Zentrale der sozialistischen Gewerkschaft Ostflanderns. Die Meisterwerke des Art -déco werden heute als Büros, Versammlungsräume, Bibliothek und Theater genutzt.

Auf dem Vrijdagmarkt steht die Statue von Jacob van Artefelde, links dahinter die beiden Gebäude „Bond Moyson“ und „Ons Huis“.

2. Die Burg Gravensteen

ie Burg, die mitten im Zentrum von Gent steht, gilt als eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen  Wasserburgen Europas. Im 9. Jahrhundert ließen die Grafen von Flandern auf den Fundamenten einer römischen Festung die Burg erbauen. Jeder neue Graf wollte seinen Sitz weiter ausbauen. Nach dem Untergang der flämischen Grafschaft wurde der Bau immer mehr in Mitleidenschaft gezogen. Er diente als Gefängnis, Lager, Pferdestall und wurde zu Begin der industriellen Revolution sogar in eine Spinnerei umgewandelt. Als die Industrie sich dann außerhalb der Stadt festigte, wollte man die Burg abreißen. Stattdessen verkaufte die Stadt das Gebäude an den belgischen Staat. Dieser erkannte den historischen Wert dieser Anlage und ließ es Ende des 19. Jahrhunderts gründlich restaurieren. Heute befindet sich in der Burg das Folter und Waffenmuseum.

Die einstige Burg der Grafen von Flandern strahlt seit Anfang des 20. Jahrhunderts wieder wie früher.

3. Der Belfried

Der Belfried von Gent ist einer der drei markanten Türme der Stadt. Wie in vielen anderen flämischen Städten zeugt auch der Belfried von Gent für den Reichtum der Zünfte der Stadt. Angegliedert an die Lakenhalle, stellt er den Gegenpol zum Kirchturm, der für die geistliche Macht einer Stadt stand. Das besondere am Belfried von Gent ist  die Turmspitze, die sich von den anderen (Kirch-) Türmen in der unmittelbaren Nähe deutlich absetzt. Auch wenn er im Laufe der Geschichte öfter sein Aussehen änderte. Die Ersten Turmspitzen waren aus Holz gefertigt, doch mit der Zeit bekam der Turm seine Spitze erst aus Stein und später aus Gußeisen. Seit der Fertigstellung  1377 ziert der goldene „Drache von Gent“ die Turmspitze(n). Die Glokken des Turms gehören zu den schwersten in ganz Belgien. Wer möchte kann den Turm auch besteigen und von oben einen wunderschönen Blick über die Altstadt von Gent genießen.

ändert und Einer der vielen markanten Türme in der Skyline von Gent ist der Belfried.

4. Die Grachten von Gent

Im Stadtgebiet von Gent  trifft man immer wieder auf Wasser. Einerseits liegt es an der geographischen Lage am Zusammenfluss von Leie und Schelde. Andererseits hat man während der Blütezeit des Handels im Mittelalter in Gent viele Grachten angelegt um die vielen Lager in der Stadt auch per Schiff gut zu erreichen. Noch heute liegen viele der einstigen Lagerhäuser und Kontore an den Grachten. Im Laufe der letzten 200 Jahre wurden viele der Grachten jedoch zugeschüttet. Vor allem mit dem Aufkommen der Autos schaffte man so Platz um diese in der Stadt unter bringen zu können. In den letzten 2 Jahren wiederum wurden einige der zugeschütteten Grachten wieder ausgehoben. Durch diese Maßnahmen befindet Gent sich nun wieder auf einer Insel und ist es möglich mit den Touristenbooten eine richtige Grachtenrundfahrt zu machen.

Überall in der Stadt durchziehen Grachten die Stadt

5. Die Sint Baafskathedrale und „Der Genter Altar“

Ein weiteres wichtiges Bauwerk in der Innenstadt von Gent ist die Sint-Baafskathedrale. Sie steht direkt neben der Lakenhalle und dem Belfried. Erbaut wurde sie auf den Fundamenten einer romanischen Kirche, deren Krypta noch heute zu besichtigen ist. Die in brabanter und Scheldegotik errichtete Kathedrale wurde im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts in mehreren Etappen gebaut. Im inneren der Kathedrale befindet sich einer der wichtigsten und wertvollsten Kirchenschätze Belgiens: Der Genter Altar. Zu sehen ist ineDieser im 15. Jahrhundert von Jan van Eyck gemalter Flügelaltar steht in einem seperatem Teil der Kathedrale. Seit 2012 wird dieser aufwändig restauriert. Teilweise passiert dies vor den Augen der Besucher.

In der Sint-Baafskathedrale befindet sich der „Genter Altar“

6. Die Beginenhöfe von Gent

Beginenhöfe befinden sich in vielen flämischen Städten. Viele von ihnen stehen auf der Welterbe Liste der UNESCO. In Gent jedoch gibt es mehrere solcher kulturell besonders wertvollen Orte Der Kleine Begijnhof ter Hoyen   gilt als einer der besterhaltenste in Flandern. Noch bis 2005 lebte hier die letzte Begine. In den letzten Jahren wurden die alten Häuser aufwendig restauriert und strahlen sie nun wieder in rot und weiß um die Wette. Sehenswert ist vor allem die zentral an einer Wiese gelegene Onze-Lieve-Vrouwen Presentatiekerk. Der wesentlich größere Beginenhof Sint-Amandsberg liegt etwas außerhalb der Stadt. Er ist wie ein kleines Dorf aufgebaut, mit kleinen Straßen, Plätzen und von einer Mauer umgeben. Einen weiteren Beginenhof, der nicht auf der Welterbeliste steht, trotzdem aber hier erwähnt werden sollte, ist der Groot Begijnenhof. Er hat keine so geschlossene Struktur wie die anderen beiden und wird momentan restauriert.

Auch wenn er nicht auf der UNESCO Welterbeliste steht, kann der Groot Begijnhof mit den anderen Beginenhöfen mithalten.
Auch wenn er nicht auf der UNESCO Welterbeliste steht, kann der Groot Begijnhof mit den anderen Beginenhöfen mithalten.

7. Der mittelalterliche Hafen (Graslei en Korenlei)

Ein besonders gut erhaltener Teil des mittelalterlichen Hafens befindet sich zwischen den Brücken Grasbrug und St-Michielsbrug. Ab dem 11. Jahrhundert wurde hier die gesammte Hafenaktivität der Grafschaft Flanderns geregelt. Noch heute zeugen an der Korenlei die vielen alten Stapelhäuser von dieser Zeit. Auf der gegenünberliegende Seite, der Graslei, wurden im Laufe der Jahrhunderte die alten Stapelhäuser in klassiszistische Palais umgebaut. Direkt hinter dem Graslei befindet sich der Korenmarkt, auf dem früher die Waren gehandelt wurden. Heute steht dort die Alte Post aus dem Begin des 20. Jahrhundert. Die beiden Ufer der Leie sind in den Sommermonaten ein beliebter Treffpunkt der zahlreichen Studenten in der Stadt. An der Grasbrug starten viele Boote ihre touristischen Rundfahrten durch die Altstadt.

Die mittelalterlichen Häuser und klassizistischen Palais an der Graslei

8. Bahnhof Gent Sint-Pieters

Wenn man mit dem Zug nach Gent reist, ist es sehr wahrscheinlich, dass man Bekanntschaft macht mit dem Bahnhofgebäude von Gent-Sint-Pieters. 1913 richtete Gent eine Weltausstellung aus. Zu diesem Zweck wurde ein für die damalige Zeit sehr modernes Bahnhofsgebäude errichtet. Die Empfangshalle wurde geschmückt mit zahlreichen Wandmalereien und Glasarbeiten, auf denen unterschiedliche belgische Städte dargestellt sind. Der Uhrenturm des Bahnhofs galt bis 2006 als der „schiefe Turm von Gent“. Bei Arbeiten in den 1970ern hatte man entdeckt dass der Turm nicht gerade steht. Als man 1999 bei Renovierungsarbeiten bemerkte, dass er sich mittlerweile um 30cm neigte, wurde er gesichert und 2005 abgebrochen und durch eine Kopie ersetzt. Der Bahnhof zählt heute zu den meistgenutzten in Belgien und wird derzeit umfangreich modernisiert.

9. Der Turm der Universitätsbibliothek (Boekentoren)

Neben seiner Funktion als Bücherturm hat er auch einen symbolischen Wert für die Universität Gent. Seit der Unabhängigkeit Belgiens wurde die Universität Gent immer weiter französisiert, da Französisch die Sprache der Elite in Belgien war. Schnell formte sich eine Flämische Bewegung, die sich dafür einsetzte die Niederländische Sprache in der Universität zu etablieren. Die gelang erst in den 1920ern. 1930 wurde die Universität offizielle niederländischsprachig. Um dem ein Zeichen zu setzen erschuf der renomierten Architeckt Henri van de Velde neben den 3 bekannten Türmen, die für die Macht der Kirche und des Handels der Stadt stehen einen weiteren Turm. Dieser soll die Macht der Wissenschaft darstellen. Van de Velde realisierte nicht nur das Gebäude, sondern auch sämtliches Möbiliar, das aufeinander abgestimmt wurde. Seit 2012 wird das gesammte Gebäude renoviert. Die oberen Etagen des Turms sollen danach wieder der öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

10. Beleuchtung der Innenstadt

Seit 1998 hat die Stadt Gent den sogenannten „lichtplan“ entwickelt. Zuerst wurden die Gebäude in der kompletten Altstadt mit einer individuellen Beleuchtung versehen. Jedes Gebäude hat ein eigenes Beleuchtungskonzept, welches perfekt darauf abgestimmt ist die Stimmung des Lichtes so gut wie möglich auf die Flächen zu projezieren . Das Tourismusbüro der Stadt Gent bietet eine Stadtwanderung entlang der schönsten Beleuchtungen an. Nach Mitternacht werden die Lichter jedoch durch funktionale Beleuchtung ersetzt.  Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit und den Weihnachtsferien wird die Burg mit einen spektakulären Lichtshow in einen Magischen Ort verwandelt.

Wenn die Sonne untergegangen ist erleuchtet Gent in voller Pracht.

Andy

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