Hallerbos – ein Traum in Lila

So langsam weckt das Wetter in mir wieder das Bedürfnis mehr Zeit im Freien zu verbringen. Auch die Natur bereitet sich auf die wärmere und sonnigere Jahreshälfte vor. Überall sprießen Blumen und Blätter und die Tiere erwachen aus ihrem Winterschlaf. Der Winter ist nun endlich vorbei!
Ein Ort an dem man das Naturschauspiel, das wir Frühling nennen, in einer besonderen Fülle beobachten kann, ist der Hallerbos westlich von Brüssel. Denn jedes Jahr im Frühling erwacht in diesem Buchenwald ein ganz besonderes Naturschauspiel…

Ein Stück alter Urwald Mitten in Belgien.

Der Hallerbos (das heißt wörtlich übersetzt ´Wald von Halle´) liegt am Stadtrand von Halle, einer Kleinstadt in der Provinz Flämisch Brabant ungefähr 20 km westlich von Brüssel. Dieser Wald gehörte einst zu einem dichten Urwald aus Laubbäumen – dem Kohlewald. Dieser Urwald soll sich einst von Tournai im Westen bis Lüttich im Osten erstreckt haben. In der Antike und im Mittelalter stellte er eine natürliche Stammes-, Sprach- und Landesgrenze dar. Auch heute noch sind seine Überreste westlich und östlich von Brüssel eine natürliche Grenze zwischen dem flämischen, nierländischsprachigen Norden und dem wallonischen, französischsprachigen Süden Belgiens. Nach dem Mittelalter wurde der Kohlenwald jedoch immer stärker abgeholzt. Das Holz wurde vor allem unter Napoleon für den Schiffsbau genutzt. So kam es, dass der einstige Urwald verschwand und vor allem die dicken, jahrhundertealten Buchen heute leider dort nicht mehr zu finden sind. Seit 1930 hat man die übrig gebliebenen Wälder systematisch wieder aufgeforstet.

Blütenpracht soweit das Auge reicht

Doch warum zieht es vor allem im Frühling viele in den Hallerbos? Es hat sicherlich nicht nur mit dem dichten Laubbäumen zu tun, die langsam wieder ihre grünen Blätter tragen. Viel mehr wegen einem Zwiebelgewächses mit dem schönen Namen Hasenglöckchen. Das lila blühende Hasenglöckchen ist ein typischer Frühjahrsblüher. Noch bevor das dichte Blätterdach der Bäume den Waldboden in einen kühlen Schatten hüllen, fängt das Hasenglöckchen an sich in voller Pracht zu zeigen. Je nach Temperatur scheint der komplette Waldboden von Mitte April bis Anfang Mai in ein tiefes Lila getunkt zu sein.

Frühaufsteher werden mit einer magischen Atmosphäre belohnt

Als ich den Hallerbos vor einigen Jahren besuchte, klingelte mein Wecker schon sehr früh. Nicht nur, weil ich über 1,5 Stunden Autofahrt vor mir hatte, sondern auch weil ich noch vor Sonnenaufgang im Wald sein wollte. Ich hatte nämlich gelesen, dass es sich lohnt zur frühen Morgenstunde dorthin zu gehen. Dies aus zwei einfachen Gründen. Zum einen ist das Licht im Wald morgens, und abends so ausgerichtet, dass es die Farben der Natur am besten wiedergibt. Man nennt diese Zeit auch „Blue Hour“. Zum anderen hat man den Wald fast für sich alleine, da der große Besucherandrang meistens erst tagsüber kommt.

Kurz vor Sonnenaufgang, um 6:10 Uhr, erreichte ich also den Hallerbos. Ich parkte mein Auto auf einem der zahlreichen Parkplätze am Waldrand und schon dort begrüßten mich die Hasenglöckchen am Wegesrand. Nach einigen 100 Metern stand man mitten im Wald, umgeben von Millionen von lila blühenden Hasenglöckchen. Die Aussicht schien wie aus einem Märchenbuch. Sehr unrealistisch. So weit das Auge reicht sah ich nichts als lila Boden. Erst später, so gegen 8:00 Uhr entdeckte ich hier und da auch andere Besucher.

Wie ein (rost)roter Teppich führt der laubbedeckte Weg durch den Wald.

Die Natur sollte respektiert werden

Die sehr empfindlichen Zwiebeln des Hasenglöckchens wachsen nur einige Zentimeter unter der Erdoberfläche. Deswegen ist es auch strengstens untersagt sich von den markierten Wegen zu bewegen. Durch die Tritte könnten die Zwiebeln beschädigt werden und absterben. Damit also auch unsere Enkel und Urenkel das alljährliche Naturschauspiel erleben können, sollten wir die Regeln des Waldes respektieren.

2 Kommentare bei „Hallerbos – ein Traum in Lila“

  1. Wunderschön sieht das aus. Vielen Dank für die Geschichte drum herum. Sehr interessant.

    1. Dankeschön Margrit, freut mich, dass es dir gefällt. Momentan ist der Hallerbos in voller Blüte! Also nichts wie hin 😉

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