Manneken Pis – der berühmteste Belgier

Mitten in der Brüsseler Altstadt, unweit der Grand Place, steht in einer Ecke der wohl berühmteste Bewohner der Stadt, wenn nicht sogar vom ganzen Land. Sein Name? Julien – Petit Julien, oder besser bekannt als Manneken Pis. „Pinkeln“ ist dann auch die Eigenschaft der kleinen Brunnenfigur, die ihn so weltberühmt gemacht hat. Heute gibt es kaum einen Moment an dem nicht jemand vor dem Zaun, der den Brunnen umgibt, posiert, um sich mit dem pinkelnden Jungen fotografieren zu lassen.

Viele Legenden um die Entstehung des Brunnens

Woher genau der Brunnen stammt ist den Historikern ein Rätsel. Es ranken sich viele Legenden um den Brunnen. Die älteste stammt aus dem 13. Jahrhundert und besagt, dass ein kleiner Junge die Lunte eines Pulverfasses hätte löschen wollen und sie deshalb „ausgepinkelt“ hat. Somit hatte er Brüssel vor einer Katastrophe bewahrt. Eine andere Geschichte behauptet, es handelt sich bei der Figur um Manneken Pis um den Sohn des Herzogs Gottfried III von Brabant. Dieser soll seinen nur wenige Monate alten Sohn während einer Schlacht in einer Wiege an eine Eiche gestellt haben. Der kleine Junge habe sich dann irgendwann aus seiner Wiege erhoben, um sein Geschäft zu verrichten. Die gegnerischen Soldaten soll dies zutiefst beleidigt haben. Einer weiteren Legende zufolge soll es sich bei dem kleinen Jungen um den Sohn des Grafen d´Hove handeln, der sich während einer Prozession durch die Stadt an einer Hauswand entledigen musste. Es gibt noch ein weiteres Märchen, das besagt, dass eine Hexe einen Jungen, der an ihre Haustreppe gepinkelt haben soll, in Stein verwandelt hat. Als Strafe soll er diese Tätigkeit nun auf ewig verrichten müssen.

Es ranken sich viele Legenden um die kleine Brunnenfigur des Manneken Pis

Genaues Alter ist unbekannt

Die nur knapp 60 cm große Figur, die 1619 von Jérôme Duquesnoy dem Älteren erschaffen wurde war nicht die erste Brunnenfigur an diesem Ort. Man weiß nicht wann genau dor Brunnen entstanden ist, die erste Erwähnung eines „Juliaenskenborre“ stammt aber aus dem Jahr 1388. Die Statue und der Blausteinsockel nebst Becken von Jérôme Duquesnoy sollte diese ersetzen. Das Manneken Pis, das wir heute auf seinem Podest stehend in ein Becken pinkelnd bewundern können, ist aber nicht mehr das Original von 1619. Es wurde mehrmals gestohlen oder beschädigt. 1745 von englischen Soldaten, 2 Jahre später von französischen Soldaten. 1817 stahl ein grade erst entlassener Sträfling die Bronzestatue. 1966 wurde die Figur zum letzten mal zerstört. Aus den wieder gefundenen Einzelteilen fertigte man dann eine Kopie an, von der auch die heutige Figur stammt. Bei dem Exemplar, welches heutzutage den Brunnen ziert, handelt es sich auch um eine Kopie. Das Original steht im Broodhuis – dem Stadtmuseum an der Grand Place.

Das Original befindet sich im Brüsseler Stadtmuseum im „Broodhuis/ Maison du Roi“ an der Grand Place

Einen riesigen Kleiderschrank voller Kostüme

Als französische Soldaten die kleine Brunnenfigur 1747 gestohlen hatte, schenkte der damalige französische König Ludwig XV. zur Wiedergutmachung des Diebstahls dem kleinen Jungen einen Anzug aus Goldbrokat und machte ihm zum Ritter des Ordens des heiligen Ludwigs. Dieser Anzug und noch viele der anderen über 1000 Kostüme sind heute in der „Garderobe de Manneken Pis“ zu bewundern. Es handelt sich hierbei um Genschenke an den kleinen Jungen aus aller Welt. Das älteste Kostüm stammt vom bayrischen Kurfürsten und damaligen Generalstadthalter der Niederlande, Max Emmanuel aus dem Jahre 1698. Das 1000. Kostüm wurde Manneken Pis von einem anderen Brüsseler Wahrzeichen geschenkt, dem Atomium.

Eigene Bedienstete

Bei einem Gespräch mit der offiziellen Schneiderin des Manneken Pis, Sophie Wéry, erklärte sie mir, dass die Kostüme die sie entwerfen sollen immer einen Bezug zu Brüssel oder Belgien haben sollen. Außerdem hat die Stadt Brüssel festgelegt, dass pro Jahr maximal 15 Kostüme verwirklicht werden können. Die Kostüme können in 3 Sparten eingeteilt werden. Traditionelle Kostüme, die meistens Länder- oder Regionsspezifisch sind (Trachten, Nationalkleidung), Personen oder Figuren die nachgestellt werden sollen (Schlumpf, Asterix) oder Kostüme zu speziellen Festlichkeiten (100. Geburtstag bestimmter Studentenvereinigung zbsp. )Das schneidern eines Kostüms kann bis zu 40 Stunden dauern. Hierbei muss nicht nur auf die richtigen Farben und Materialien geachtet werden. Auch die Proportionen und die Möglichkeit das Kostüm an- und auszuziehen, ohne die Funktion des Brunnens zu behindern. Übrigens hat Manneken Pis neben einer offiziellen Schneiderin auch einen offiziellen „Umkleider“.

Kleine Schwester und ein Haustier

Manneken Pis war lange allein, doch seit 1987 hat er eine kleine Schwester, Janneke. Sie hockt in einer kleinen Gasse über einem Becken und – wie soll es anders sein – pinkelt hinein. Um das Ensemble komplett zu machen kam 1998 ein kleiner Hund hinzu. Dieser steht an der Rue des Chartreux / Karteuzersstraat und pinkelt gegen einen Straßenpoller. Im Gegensatz zu Manneke und Janneke handelt es sich bei dem Hund, Zinneke, allerdings nicht um einen Brunnen, sondern lediglich um eine „beinchenhebende“ Bronzefigur.

Manneken Pis, Janneke Pis und ZInneke

Übrigens, wie jeder moderne Mensch hat auch Manneken Pis einen Facebookaccount, auf dem er zeigt, was er gerade macht oder trägt.

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