Mechelen – die kleine Stiefschwester von Antwerpen

Wenn man etwas über Flandern und seine Sehenswürdigkeiten erfahren möchte, liest man immer wieder die selben Namen. Städte, wie Antwerpen, Gent, Leuven und vor allem Brügge stehen da meistens im Mittelpunkt. Dabei wird oft eine andere mittelalterliche Stadt Flanderns vergessen, die im 16. Jahrhundert sogar die Hauptstadt der Niederlande war: Mechelen. Deshalb möchte ich euch in diesem Blogbeitrag mal die Besonderheiten der Stadt zwischen Brüssel und Antwerpen etwas näherbringen.

Ein riesiger Turm mit einer lustigen Geschichte

Der nie fertiggestellte Kirchturm der St-Rombouts Kathedrale ist allgegenwärtig. Mit fast 100m Höhe (97,2m um genau zu sein) steht er wie ein Leuchtturm in der Landschaft. Obwohl er nie zuende gebaut wurde, zählt der Turm zu den Meiserstücken der Gotik in Europa. Ursprünglich sollte er mit 167m der höchste Turm der Welt werden. Doch dazu fehlte irgendwann das Geld. Aber auch ohne Turmspitze kann das kolossale Bauwerk sich sehen lassen.

Turm der Romboutskathedrale zu Mechelen
Der Turm gehört zu den höchten Kirchtürmen in Belgien und ist shcon von Weitem gut sichtbar

Als man in Mechelen den Mond löschen wollte…

Seit Jahrhunderten gibt es in Mechelen eine ganz witzige Geschichte, die den Einwohnern Mechelens den Beinamen „Mondlöscher“ gegeben hat:

An einem nebligen Abend im Januar 1687 kamen zwei Männer angetrunken aus einem Gasthaus am Marktplatz. Erschrocken schauten sie auf den rot glühenden Turm und schrien „Feuer, Feuer, der Turm brennt!“ Sofort schleppten die Bewohner Wassereimer den Turm hinauf um das Feuer zu löschen. Oben angekommen bemerkten sie, dass es gar keinen Brand gab. Der Mond hatte den Nebel in einen roten Dunst getunkt und es so aussehen lassen als stünde der Turm in Flammen.

Vor allem die Brüsseler und Antwerpener nennen ihre „Nachbarn“ aus Mechelen auch heute noch spöttisch „Mondlöscher“. Um den Spott ein klein wenig erträglicher zu machen benannten man eine halbmondförmige Praline – Maneblusser- nach dieser Geschichte.

Weltweit einmalig: Die Mechelener Glockenspielschule

Im riesigen Turm befinden sich nicht nur 538 Stufen, die zum Skywalk auf dem Dach des Turmes führen, sondern auch verschiedene Ausstellungen. Auf 6 Etagen verteilt, wird beim Aufstieg alles über die Glocken, das Uhrwerk oder das Innere der Kathedrale erklärt. Sogar eine Schule befindet sich auf der 5. Etage des Turmes. Hier werden Glockenspieler aus aller Welt ausgebildet, mehrmals in der Woche kann man ihnen auch dabei zuschauen und -hören.

Margarete von Österreich – die Stadtbauherrin von Mechelen

Vor der St-Rombouts Kathedrale steht die Statue einer einst mächtigen Frau. Es handelt sich dabei um die Landvogtin Margarete von Österreich, Statthalterin der habsburgischen Niederlande im 16. Jahrhundert und Tante von Kaiser Karl V. Ihr verdankt Mechelen einen enormen wirtschaftlichen, kulturellen und architektonischen Aufschwung. Das heutige Rathaus ist einer ihrer Aufträge gewesen. Dieses besteht aus mehreren Gebäuden. Einmal ein Palais im spätgotischen Stil mit seinen vielen reich verzierten Fenstern und Türmchen. Direkt daneben steht der unvollendete Belfried der Tuchhalle aus dem 14. Jahrhundert. Deren rechter Flügel wurde mit einem holländischen Treppengiebel versehen.
Einige 100 Meter weiter steht der Hof von Savoyen. Hier residierte Margarethe von Österreich. Sie zog Mechelen dem größeren und geschäftigerem Brüssel als ihre Wohn- und Arbeitsstätte vor. Der Innenhof des Palais (heute Amtsgericht) ist ein Prachtstück der Renaissance und sicherlich ein Besuch wert.

Großer und kleiner Beginenhof

Wie in fast allen mittelalterlichen Städten Flanderns findet man in Mechelen auch einen Beginenhof. Doch Mechelen hat gleich zwei zu bieten. Einen großen und einen kleinen Beginenhof. Während der kleine nur noch aus vereinzelten Häusern in einer kleinen Gasse am Rande der Kirche Sint-Katelijnekerk besteht, ist der große Beginenhof wie eine kleines Dorf in der Stadt aufgebaut und seit 1998 UNESCO-Weltkulturerbe. Die gut erhaltenen, teilweise aufwendig restaurierten Gebäude zeugen noch heute von der Gemeinschaft der Beginen, die dort wie in einer kleinen Stadt in der Stadt lebten.

Beginenhof von Mechelen
Der Beginenhof in Mechelen ist wie viele andere flämische Beginenhöfe ein Ort der Ruhe und Einkehr

Mechelen ist noch ein Geheimtip

Da Mechelen bei den meisten Touristen noch nicht so wirklich auf dem Schirm ist, wird es auch noch nicht so überlaufen wie die anderen flämischen Städte. Man findet auch in Mechelen alle typisch flämischen Bauwerke und städtebauliche Besonderheiten. Einige (Belfried und Beginenhof) sogar doppelt. Warum also nicht den Touristenmassen ausweichen um in einer ruhigeren Atmosphäre eine typische alte flämische Stadt zu entdecken.

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