Mons – ein Turm, ein Drache und ein Äffchen

Warum ist Mons eine „besondere“ Hauptstadt, wer ist Doudou und was hat ein kleines steinernes Äffchen in der Stadt verloren? All diese Fragen möchte ich euch gerne in meinem 10. Beitrag der Reihe „Die 12 Hauptstädte Belgiens“ beantworten. Diesmal geht es nach Mons, die Hauptstadt des Hennegau, in der man viel erleben kann und sicherlich das ein oder andere mal staunen wird.

Hennegau = Landstrich der Hühner?

Die Provinz Hennegau hat nichts mit Hennen oder Hühnern zu tun und heißt auch nicht deswegen so, weil es dort übermäßig viel von dem Federvieh gibt. Es ist ein Überbleibsel der mittelalterlichen Grafschaft Hennegau, Hainaut auf Französich. Es leitet sich vom Fluss Haine (dt: Henne) ab, der quer durch die Grafschaft fließt. 1678 wurde die Grafschaft zweigeteilt. Der nördliche Teil kam an die Niederlande (ab 1830 Belgien) und der südliche Teil nach Frankreich. Seit dem ist Mons auch die Provinzhauptstadt des niederländischen bzw. belgischen Teils von Hennegau.

2015 war Mons nicht nur die Hauptstadt der belgischen Provinz Hennegau sondern auch zusammen mit dem tschechischen Pilsen die Kulturhauptstadt Europas. In diesem, das ganze Jahr über dauernde, Event konnte Mons seiner kulturellen Vielfalt freien Lauf lassen.

Viele Kunstwerke des Kulturjahres 2015 blieben auch nachher noch stehen, wie diese riesige Konstruktion aus bunten Latten.

Über allem thront ein Turm

Die prominenteste Sehenswürdigkeit der Stadt ist der Belfried von Mons. Es handelt sich hierbei nicht nur um irgendeinen Turm aus dem Mittelalter, den man über die Jahrhunderte gut erhalten hat, sondern um einer der vielen Belfriede Belgiens, die 1999 in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen wurden. Aus dieser Liste sticht der Belfried von Mons sicherlich nochmal hinaus, denn er ist der einzige Belfried der im Barockstil gebaut wurde. Der 87 m Hohe Turm beherbergt 49 Glocken und wird von einem hübschen Zwiebelturm gekrönt. Auch das komplett renovierte Innere des Turm ist ein Besuch wert. Hat man einmal die 365 Stufen erklommen, bekommt man auf der Aussichtsetage den zweifellos schönsten Überblick über Mons und sein Umland.

Majestätisch steht der Belfried von Mons auf einem Hügel mitten in der Stadt

Umgeben wird der Turm, der auf dem Fundament eines alten Turmes der Grafenburg errichtet wurde, von einem kleinen Park. Der Park bildet die Kuppe des höchsten Hügels der Umgebung, der Mons (nl /dt: Bergen, vom lateinischen Mons für Berg) seinen Namen verleiht.

Der alljährliche Kampf mit dem Drachen

Jedes Jahr am Wochenende nach Pfingsten feiert man in Mons die Ducasse du Mons. Diese traditionsreiche Prozession haben wir einem eher traurigen Ereignis zu verdanken: der Pest. Zum Schutze der Stadt vor dem schwarzen Tod unternahm man Prozessionen um die Schutzheilige der Stadt, die hl. Waltrude, um Hilfe zu bitten. Im 18. Jahrhundert wurde die Prozession um ein mittelalterliches Spiel ergänzt: dem Kampf des heiligen Georgs gegen einen Drachen. Während man samstagsabends den goldenen Prunkwagen mit dem Reliquienschrein vorbereitet, feiert man auf der Grand Place ein rauschendes Volksfest.

Am Sonntag zieht dann schließlich die eigentliche Prozession durch die Straßen bis sie den Grand Place erreichen. Nach einer feierlichen Zeremonie fährt der goldene Wagen wieder zurück zur Stiftskirche, wo er den Rest des Jahres zu besichtigen ist. Währenddessen bereitet man auf der Grand Place den Kampf mit dem Drachen vor. Eine großer, selbstgebauter Drache wird von Statisten über den Platz gescheucht. Im Handgemenge versucht jeder einen Schopf der schwarzen Drachenhaare zu ergattern, was Glück bringen soll. Nach 30 Minuten ist das Spektakel beendet und der Platz verwandelt sich in eine große Tanzfläche auf der bis in die Nacht gefeiert wird. Seit 2015 hat diese Tradition ein eigenes Museum, das Musée du Doudou.

Exotischer Bewohner der Gand Place

Eine weitere Sehenswürdigkeit -auch ohne Drachen und goldener Kutsche – ist wie in vielen belgischen Städten der Grand Place. Zuerst einmal befindet sich dort das Rathaus mit dem vielleicht ungewöhnlichsten „Haustier“ von Mons. Außerdem sorgen die unzähligen Restaurants und Cafés, die den Platz säumen für eine gemütliche Atmosphäre.

Der Grand Place von Mons

Was in vielen Flämischen Städten ganz normal ist, ist in Mons einzigartig für die Wallonie; ein gotisches Rathaus. Das Rathaus von Leuven soll hierfür als Vorbild gedient haben. Doch wie das bei Prunkbauten immer mal wieder war, hatte man irgendwann im 17. Jahrhundert keine finanziellen Mittel mehr den Bau zu beenden. Das Rathaus erhielt dann im Laufe der Jahrhunderte mehrere Anbauten (u.a. eine sehr sehenswerte Kapelle und den auffälligen Glockenturm).

Das Rathaus mit seinem Glockenturm

Neben der großen Pforte des Rathauses, die zum Innenhof führt trifft man auf Höhe des Sockels einen kleinen Affen aus Bronze. Es ist leider nicht genau bekannt wer diesen kleinen Affen schuf und was seine Bedeutung ist. In Mons gilt er als Glücksbringer und jeder der an ihm vorbei geht sollte ihm über den Kopf streichen und darf sich dabei etwas wünschen.

Wer an dem Äffchen vorbei geht soll ihn am Kopf streicheln und sich was wünschen…

Viele unbekannte Schätzchen

Dies waren nur die Highlight der Provinzhauptstadt des Hennegaus. In Zukunft dürfte mit der Vollendung des neuen Hauptbahnhofes, einem Bau des Stararchitekten Santiago Calatrava ähnlich wie dem in Lüttich, eine Weitere Sehenswürdigkeit die Besucher empfangen. Und es gibt noch viel mehr zu entdecken. Zum Beispiel die zahlreichen Museen wie das Mundaneum – eine Art Google aus Papier. Doch dazu in einem anderen Artikel mehr…

2 Kommentare bei „Mons – ein Turm, ein Drache und ein Äffchen“

  1. Tolle Bilder und Post, sieht sehr schön aus!

    1. Danke Charlotte! Mons ist wirklich sehr schön! Nicht nur als Kulturhauptstadt Europas 🙂

Schreibe einen Kommentar