Orte in Belgien, in denen man kurz auf Weltreise geht

Es gibt sie zum Glück noch, Orte (fast vor der Haustüre) an denen man sich wie in einem weit entfernten Teil der Welt fühlen kann, ohne wirklich gereist zu sein. Und gerade in der jetzigen Zeit, in der Corona unser aller Reisepläne wahrscheinlich ziemlich auf den Kopf gestellt haben, sind diese Orte viel wert. Ich möchte euch in diesem Beitrag zwei dieser Orte näher bringen. kommt mit auf Weltreise – natürlich ohne Belgien zu verlassen…

Mini – Europe

Einmal quer durch die EU – zu Fuß!

Im Brüsseler Stadtteil Laeken steht nicht nur das Atomium und wohnt der König mit seiner Familie. Es gibt auch noch eine weitere, interessante Sehenswürdigkeit auf dem ehemaligen Geländer der Weltausstellung von 1958. Sie nennt sich Mini-Europe und zeigt Gebäude aus der ganzen EU, allerdings 25 mal kleiner als ihre Originale.
„In Vielfalt geeint“ lautet der Wahlspruch der EU. Dies war sicherlich auch bei der Gestaltung des Parks ein zentraler Begriff und es wurden bewusst auch historische Elemente mit einbezogen. So werden anhand eines praktischen Parkführers, der in (fast) allen Sprachen der EU am Eingang zur Verfügung steht, viele Details zu den einzelnen europäischen Orten gegeben.

Europa und seine Gebäude
Viele Orte Europas im Maßstab 1/5 auf einem Blick

Die liebevoll bis ins kleinste Detail nachgebildeten Gebäude sind für die jeweilige Nation historisch wichtig. Man findet aber auch viele weltberühmte Sehenswürdigkeiten. So stehen der Big Ben und der Eifelturm nur einen Katzensprung voneinander entfernt. Der Schiefe Turm von Pisa steht wiederum in unmittelbarer Nachbarschaft der Kanäle von Venedig.

Das Baltikum ist sich hier ganz nah
Die Dicke Margarethe aus Tallin, das Freiheitsdenkmal in Riga und die Universität von Vilnius repräsentieren das Baltikum

Orte aller Epochen sind vertreten

Natürlich entdeckt man beim Besuch der europäischen Orte auch die verschiedenen architektonischen Epochen der einzelnen Gebäude. Aus allen Stilen sind Bauwerke vertreten: Der Mnajdra-Tempel aus Malta, die Akropolis in Athen und die Porta Nigra in Trier sind nur einige wenige Beispiele der Antike. Vertreter des Mittelalters sind zahlreiche Burgen und Kathedralen, sowie ganze Straßenzeilen oder Dörfer aus allen Teilen Europas. Großartige Gebäude der Renaissance und des Barock, wie dem Torre de Belém in Lissabon oder dem Trevi-Brunnen in Rom, zeigen die Liebe zum Detail dieser Epoche. Doch auch von Gebäuden der Neuzeit, wie die blaue Art-Nouveau Kirche in Bratislava oder das Centre Pompidou in Paris findet man im Park eine Miniatur.

Orthodoxes Kloster aus Bulgarien
Dieses prachtvolle Kloster steht im Süden Bulgariens
Santiago di Compostella
Die Kathedrale von Santiago de Compostela ist jedem Pilger ein Begriff

Historische Ereignisse nochmal erleben

Neben den Gebäuden der verschiedensten Epochen werden im Park aber auch historische Ereignisse dargestellt. Bagger reißen die Mauer vor dem Brandenburger Tor ein und die aus Menschen gebildete „Baltische Kette“ verbindet die Bauwerke der Baltischen Länder miteinander. Sowieso scheint Mini-Europe eine eigene Bevölkerung zu haben. Streitende Wikinger, kämpfende Ritter, ein Filmset oder das belgische Königspaar umgeben vom jubelnden Volk, überall entdeckt man kleine Figuren, die die Szenen lebendiger machen. Natürlich dürfen auch Transportmittel nicht fehlen. Autos fahren über die Straßen, Züge verbinden die Städte, Schiffe fahren von Hafen zu Hafen. Sogar eine Bohrinsel kann man sich mal von der Nähe ansehen. Auch das aktuelle Zeitgeschehen wird eingebracht. Zwischen den Britischen und den EU-Gebäuden wurde eine Grenze gezogen und im Hafen von Barcelona demonstrieren ein paar Menschen für die Unabhängigkeit Kataloniens. Wenn man genau hinschaut, erkennt man sogar Personen, die einen Mundschutz tragen.

Porta Nigra
An der Porta Nigra in Trier wird grade gearbeitet, dabei hat man eine berühmte New Yorker Szene nachgestellt.
König wird empfangen
Eine Szene zeigt das belgische Königspaar in der Nähe des Grand Places in Brüssel

Interaktiv und lehrreiches Ende einer Reise

Überall im Park gibt es die Möglichkeit interaktiv zu werden. Vom Start einer französischen Ariane Rakete, dem Ausbruch des Vesuvs, der Steuerung eines Schiffes oder der Animation einer finnischen Sauna ist alles dabei. Drückt man bei der Informationstafel der einzelnen Länder auf einen Knopf, hört man die jeweilige Nationalhymne.
Ganz am Ende des Besuchs – im Spirit of Europe Pavillon – erfährt man alles über die Entstehung der EU. Man kann hier sogar seinen Beitrag zur Zukunft hinterlassen oder mit kleinen Filmen und einem Quiz sein Wissen über die EU testen. Auch wenn ich den Park mit einigen Corona-Regeln besuchte (Reservierung, kein Restaurant, der zu gehende Weg war vorgegeben, man verpasste aber nichts), gab es einen Vorteil zu einer echten Reise an die originalen Orte: man konnte sich die Gebäude im Detail von ganz nahen anschauen.

Pairi Daiza – an einem Tag um die ganze Welt

Ein weiterer Ort, an dem man sich sehr gut in andere Teile der Welt versetzten kann ist Pairi Daiza. Dieser Tierpark in der Nähe von Mons ist so geschickt angelegt, dass man nicht nur exotische Tiere sehen kann, sondern auch die Umgebung in denen sie leben sehr gut nachgestellt wurde. Der Park ist daher auch in verschiedene „Welten“ eingeteilt.

chinesischer Tempel
Dieser chinesische Tempel ist nur einer von vielen, die man im weitläufigen Park betrachten kann.

Von Asien nach Amerika in ein paar Schritten

Jede Welt entspricht dabei einer Landschaft. „The last Frontier“ zeigt die Tiere der weiten Prärien des amerikanischen Westens. Hier sieht man unter anderem Bären und Wölfe. Im „The Kingdom of Ganesha“ findet man Südostasiatische Tempelanlagen und seine Bewohner. Dort wohnt auch eine große Gruppe asiatischer Elefanten. Viele stammen aus dem Zirkus, in dem es ihnen nicht gut ging. In „Southern Cape“ verirrt man sich auf eine australische Farm im Buschland. Neben Kängurus und Pelikane sind auch Koalabären dort vertreten.

Australischer Busch
Unterwegs nach „Southern Cape“ passiert man diesen australischen Farnwald
Südostasiatischer Tempel
Am Fuße der südostasiatischen Tempelanlage kommt man sich nicht mehr vor als wär man in Belgien

Die Big 5, welche man auf einer Safari in Afrika sichten kann, findet man im „Land of Origins“. Rund um dem typisch afrikanischen Lehmdorf und einem Stelzendorf tummeln sich Giraffen, Löwen, Zebras, Elefanten und co. Auf einigen Inseln sind dann wieder Affen, Gorillas und die Bewohner Madagaskars zu finden.
Wer lieber eine Abkühlung sucht, sollte in die Tundra von „The Land of the Cold“ gehen und den Rentieren, Eisbären und Waschbären einen Besuch abstatten. Die Stars des gesamten Parks, eine Panda-Familie, wohnt im „The Middle Kingdom“. Mit zahlreichen Tempelanlagen, chinesischen Gärten und einem Bambuswald fühlt man sich direkt ins Reich der Mitte verzaubert.

Afrikanisches Lehmdorf
Im „Land of Origins“ kommt man sich vor wie Mitten in Afrika.
Russische Architektur
Nordrussische Architektur im „Land of the Cold“ versetzt einen wiederum in den hohen Norden.

Rund um die alte Abtei von Cambron

Basis für den Tierpark – der übersetzt so etwas wie wunderbare Welt bedeutet ist der Garten einer alten Abtei. Viele der Überreste der Abtei von Cambron sind in den Park integriert worden. Die teilweise 850 Jahre alten Gebäude sind nun ein Teil des Zoos geworden. Im Eingangsbereich findet man im alten Hoftor heute die Kassen und Toiletten. Der Turm der Kirche dient als Kulisse für die Vogelflugshow. In der Krypta der Kirche sind lichtscheue Tiere untergebracht worunter eine Fledermaushöhle. Das Schloss der Abtei ist in ein Aquarium umgewandelt. Die alte Wassermühle dient heute als Restaurant. Den Bauernhof bewohnen nun Ziegen, Schafe, Hühner, Kaninchen und Gänse. Überall im Park findet man auch noch andere Reliquien der alten Abtei. Hier steht ein alter Brunnen, dort eine barocke Freitreppe, sogar einen Friedhof gibt es zu entdecken.

alte Abteikirche
Der Turm der alten Abteikirche ist einer der Orte, wo die ursprünglichen Gebäude mit in den Zoo integriert wurden. In ihrer Krypta leben zahlreiche Fledermäuse, die man besuchen darf.

Weltreise ohne Jetlag

Am Rande der Abtei liegt auch ein Bahnhof, der Start und Ziel der kleinen Schmalspurbahn ist, die sich durch den ganzen Zoo schlängelt. Diese fährt teilweise auch durch die Gehege und ermöglicht so nochmal einen anderen Blick auf die verschiedenen Welten. Was mir am Park besonders gefällt, ist die Liebe zu Details. So wird man in den verschiedenen Teilen beispielsweise auch musikalisch durch typische Geräusche der natürlichen Umgebung begleitet. Sogar der Bodenbelag scheint für jeden einzelnen Abschnitt aus den jeweiligen Landschaften hierher gebracht worden zu sein. Neben den Tieren kann man natürlich auch viele einheimische Pflanzen betrachten. So wandert man im australischen Teil erstmal durch einen Wald aus urzeitlichem Farn, eh man einen Platz erreicht, der mit rotem Lehm bedeckt ist. Nur 20 Minuten weiter steht man dann auf dem akribisch geordneten Kies eines japanischen Gartens.

Mit dem Zug durch die Amerikanische Prärie.
Mit dem Zug durch die amerikanische Prärielandschaft direkt an den Bisons vorbei.

Übrigens, seit diesem Jahr ist es sogar möglich im Pairi Daiza zu übernachten. Im Bereich „Land of the cold“ erschuf man ein Resort, welches in die Gehege der tierischen Bewohner integriert wurde. Nur riesige Scheiben trennen das Zimmer von dem Becken der Eisbären oder Walrössern. Das findet man bestimmt auch nicht in Sibirien oder Kanada!

Auszeichnungen

Pairi Daiza ist aber noch viel mehr als nur ein Zoo. Er hat nun schon mehrmals den Preis als besten Tierpark Europas gewonnen und ist auch international berühmt für seine Mitarbeit in unterschiedlichen Projekten. Für eines dieser Projekte werden verwahrloste oder misshandelte Tiere aufgenommen und wieder aufgepäppelt. Pairi Daiza ist somit auch der einzige Zoo Europas, der alte Zirkuselefanten aufnimmt. Ein anderes Projekt ist das von der WWF unterstütze Schutzprojekt zur Erhaltung bedrohter Tierarten. Über 80 Tierarten erforscht man im Pairi Daiza zusammen mit anderen Zoos auf der ganzen Welt. Einige davon werden gezüchtet, damit Arten erhalten bleiben, viele der Tiere können sogar wieder in ihrer natürlichen Umgebung ausgesetzt werden.

Diese Flamingoart wird im Pairi Daiza gezüchtet, um sie in ihrer natürlichen Umgebung in Afrika wieder aus wildern zu können.

Andy

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