Spa – die Mutter aller Bäder

Unweit des Hohen Venns liegt umgeben von Wäldern in einem Tal die kleine Stadt Spa. Wasser spielt hier seit jeher eine große Rolle. So groß, dass „Spa“ vor allem in der englischsprachigen Welt mit Wasser in Verbindung bringt. Aber warum ist das so?

Das Heilbad des Adels

Fast jedes größere Hotel auf der Welt hat mittlerweile einen „Spa“-Bereich. Viele assoziieren diesen Teil des Hotels oder der Ferienanlage direkt mit einem Wellnessbecken, einer Sauna, Bädern, Massagen oder anderen wohltuenden Wasseraktivitäten. Genau diese Aktivitäten kann man auch immer noch in der wallonischen Stadt Spa finden. Seit 2006 thront die Therme von Spa auf dem Berg Colline d´ Anette et Lubin über der Stadt. Der moderne Glasbau sorgt mit einem herrlichen Panorama über die Stadt und die umliegenden Wälder für Entspannung beim Baden im 32°C warmen Wasser. Auch jegliche andere Wellness-Angebote werden dort natürlich angeboten. Eine gläserner Panoramaseilbahn bringt die Besucher dann von den Thermen direkt hinunter ins Stadtzentrum.

Seilbahn zur Therme
Ein gläserner Aufzug bringt die Badegäste direkt von der Stadt in die Thermen.

Viele Spuren der Glanzzeiten der Stadt

Innenstadt
Die prachtvollen Gebäude in der Innenstadt zeugen von der prunkvollen Geschichte der Stadt der Bäder.

Bei einem Spaziergang durch die Stadt fällt einem schnell auf, dass hier einst gutbetuchte Bürger gastiert haben müssen. Die alten Thermen im klassizistischem Stil werden gerade zwar aufwendig restauriert, dennoch erkennt man die reich verzierte Fassade mit dem Dreiecksgiebel. Direkt nebenan steht das älteste Casino der Welt in einem ähnlich pompösen Gebäude. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich an der Place Royale der Kurpark, inmitten dessen sich die Galerien befinden, die es auch ermöglichten bei schlechtem Wetter nach dem Besuch des Casinos oder der Thermen durch den Park zu flanieren. Im Stadtzentrum sind aber auch in den vielen Straßen und Gassen markante Jugendstilhäuser zu bewundern. Am Rande des historischen Stadtzentrums stehen mehrere prunkvolle Villen in gepflegten Parkanlagen.

Europäische Treffen an den Quellen von Spa

Die eigentliche Bäderkultur nahm im Antiken Rom seine Anfänge. Doch im 18. Jahrhundert wurde die wallonische Kleinstadt Spa als Kurort der Kaiser, Könige und sonstigem Adel Europas berühmt. Vor allem die britischen Besucher des Kurortes trugen ab dem 16. Jahrhunderts dazu bei, dass im Ausland der Name der Stadt als Synonym für „Heilbad“ genutzt wurde. Im Laufe der Jahrhunderte besuchte der Adel ganz Europas die Bäder von Spa. Einige gut betuchte Bürger hohen Standes ließen sich sogar eine Villa in den umliegenden Wäldern bauen. Schriftsteller, Komponisten, aber auch Geschäftsmänner und Industrielle trafen sich in Spa, um dort über dies und das auszutauschen. Später verabredeten sich sogar Kaiser, Mitglieder der königlichen Familie Belgiens und sämtlicher europäischer Adel in der Wasserstadt. Daher kommt der Beiname „Café d´ Europe“. Es ist also wenig verwunderlich, dass es während der beiden Weltkriege immer wieder Treffen ranghoher Europäer Militär und Fürsten in Spa gegeben hat.

Wandernd die Stadt Spa und das Wasser erkunden

Im ehemaligen Brunnenhaus „Source Pierre-leGrand“, in der der Touristische Dienst der Spa untergebracht ist, kann man auf dem riesigen Gemälde Livre d´Or (1894) von Antoine Fontaine (passender Nachname ;)) viele der berühmten Besucher der Bäder von Spa bewundern. Allgemein eignet sich das alte Brunnenhaus sehr gut zum Start der zahlreichen Wanderungen in der Stadt. In einer Broschüre sind die schönsten Wanderungen beschrieben und werden die Sehenswürdigkeiten der Stadt erklärt.

La Ligne Bleue

Um sich einen ersten Eindruck über die Kurstadt machen zu können, folgt man am Besten den Markierungen mit dem Logo der Stadt und dem blauen Pfeilen (La Ligne Bleue). Diese sind in der Pflasterung eingelassen und führen an den wichtigsten Plätzen und Sehenswürdigkeiten der Stadt entlang. Die eineinhalbstündige Wanderung startet am Touristischen Dienst in dem eine Broschüre über den Weg auf Französisch, Niederländisch oder Englisch erhältlich ist.

Hier einige Highlights auf der Runde durch die Stadt:

Pouhon Pierre-le-Grand

Das Brunnengebäude an der Place Pierre beherbergt neben dem Touristischen Dienst der Stadt Spa noch einen Ausstellungsraum und natürlich einen Brunnen (la fontaine aux dauphins intérieure). Auch das oben genannte Gemälde Livre d´Or ist dort zu bewundern. Den Namen trägt das Gebäude mit dem achteckigen Kiosk, weil der russische Zar Peter der Große 1717 die Quelle besuchte. Als Dank zu seiner Genesung (er litt wie viele Besucher an Rheuma) schenkte er der Stadt ein Medaillon aus Alabaster, welches unter seiner Büste im Brunnenhaus ausgestellt wird.

Pouhon Pierre-le-Grand
Eine der vielen Quellen ist im Pouhon Pierre-le-Grand. Benannt nach dem russischen Zar Peter der Große, der Spa 1717 besuchte.

Place Royale

Die Place Royale wird gesäumt von vielen Cafés und Restaurants, der Terrassen im Schatten der alten Linden auf dem Platz aufgebaut sind. In einem der Wohnungen direkt an der Place Royale lebte einer der Violinisten der RMS Titanic.

Place Royale
Unter alten Bäumen gesäumt von gemütlichen Restaurants und Cafés, das ist die Place Royale.

Galerie Léopold II

Direkt anschließend an die Place Royale steht im Parc de Sept Heures die Galerie Léopold II. Hier traf man sich gegen 19 Uhr (daher der Name des Parks) meist für einen Spaziergang. Damit die hohen Besucher Spas auch bei Regen und Wind oder in praller Sonne ihren allnachmittäglichen Spaziergang betreiben konnten, ließ König Leopold II eine schmuckvolle Galerie aus Gusseisen und Holz bauen. Diese verbindet 2 Pavillons miteinander und ist auch heute noch ein beliebter Treffpunkt. (Leider wird die Galerie gerade aufwendig restauriert und ist teilweise sogar demontiert).

Stadtmuseum in der alten königlichen Villa

Am anderen Ende des Parks steht eine Villa, die heute das Stadtmuseum beheimatet. Doch vorher wohnte hier Marie Henriette von Österreich, die zweite Königin der Belgier. Sie und Leopold II hatten eine sehr unglückliche Ehe. Daher lebte sie ab 1895 bis zu ihrem Tod sehr zurückgezogen in dem Stadtpalais in Spa. Nach ihr ist das wohl berühmteste Wasser der Stadt benannt – Spa Reine (frz. für Königin).

Königliche Villa
Hier lebte Königin Marie Henriette bis zu ihrem Tod. Nach ihr wurde das bekannte Wasser Spa-Reine benannt.

Arbeiterviertel am Place Verte

Die Ligne Bleu bring einen neben den mondänen Orten des Kurortes auch in das Arbeiterviertel an der Place Verte. Am sehr lang gezogenen Platz münden viele Gassen, in deren Labyrinth aus Treppen und kleinen Plätzchen die ehemaligen Arbeiterwohnungen lagen. Leider sind nur wenige der Innenhöfe heute noch zugänglich.

Casino de Spa

Zurück im Stadtzentrum passiert man einen großes palastähnliches Gebäude. Hier wurde 1763 in einem Vorgängerbau das erste Casino der Welt eröffnet. Hier konnten sich die edlen Badegäste der Stadt die Zeit mit Spielen und Wetten vertreiben. Somit ist das Casino von Spa das wohl älteste der Welt. Im dazugehörigen Kulturzentrum werden große Veranstaltungen abgehalten. Außerdem befindet sich auch das Theater von Spa und die Bibliothek in einem der vielen Räumlichkeiten.

Casino de Spa
Das Casino von Spa gilt als eines der ältesten der Welt.

Kirche Saint-Remacle

Die neoromanische Kirche wurde 1886 erbaut. Schon vorher hat hier eine Kirche gestanden, doch nachdem Spa immer mehr Kurgäste besuchten, brauchte man eine größere Kirche. So entschied man sich dazu eine große, Basilika-ähnliche Kirche mit zwei Türmen und einen zentralen Kuppelturm zu errichten.

Kirche St-Remacle
Die Kirche mit der eckigen Kuppel und den beiden Portaltürmen wurde 1886 gebaut.

Welterbestätte Spa

Ob man nun die Thermen auf dem Berg über der Stadt besucht, eine Wanderung entlang der vielen Sehenswürdigkeiten und Quellen der Stadt macht, Wasser ist im ganzen Ort allgegenwärtig.

Wegen der einmaligen Verbundenheit zum Wasser und ihre Besonderheit als eine der ältesten und wichtigsten Kurstädte Europas, wurde Spa 2021 in die Liste der UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen. Zusammen mit Kurstädten aus Deutschland, Italien, Frankreich, Tschechien, Österreich und dem Vereinigtem Königreich steht Spa nun für das außergewöhnliche Zeugnis der europäischen Bäderkultur. Ein verdienter Titel!

alte Therme von Spa
Momentan wird die alte Therme von Spa in ein Luxushotel umgebaut.

Andy

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