Die Schiffshebewerke des Canal du Centre

Die Schiffshebewerke

Die 4 hydraulischen (dh. ausschließlich mit Wasserkraft angetriebenen) Schiffshebewerke auf diesem kurzen Stück des historischen Canal du Centre sind industrielle Bauwerke von höchster Qualität. Zusammen mit dem Kanal und der dazu gehörenden Infrastruktur formen sie ein außergewöhnlich gut erhalten gebliebenes Vorbild einer Industrielandschaft aus dem späten 19. Jahrhundert.
Die Schiffshebewerke zeugen von einer außergewöhnlichen Entwicklung in der Wasserbaukunst ihrer Zeit und gelten als Höhepunkt der Kanalbautechnologie. Von den 8 hydraulischen Schiffshebewerken die um die Jahrhundertwende gebaut wurden, sind die 4 am Canal du Centre die einzigen der Welt, die noch in ihrem originalen Zustand bestehen. Die Schiffshebewerke wurden 1998 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Bei schönem Wetter bietet es sich förmlich an eine Wanderung entlang des alten Canal du Centre und seinen Schiffshebewerken zu unternehmen. Da die Strecke komplett neben dem Kanal verläuft, gibt es kaum Steigungen. Lediglich an den Schiffshebewerken sind die Höhenunterschiede über Treppen oder Rampen zu überwinden. Wenn man am Hebewerk Nr.1 startet geht man sogar nur bergab.

Die Anreise

Ich empfehle eine Anreise mit dem Zug. Der nächstgelegene Bahnhof um zum Schiffshebewerk Nr.1 zu kommen ist La Louvière Centre. Man sollte sich bei der Ankunft nicht von der grauen und trostlosen Umgebung abschrecken lassen. Der Bahnhof liegt an einer viel befahrenen Nationalstraße in einem etwas in die Jahre gekommenen Viertel. Entweder man geht zu Fuß die Rue Gustave Boël entlang (15 Minuten), bis man unter einer großen Brücke den Kanal erreicht oder man nimmt den Bus 40 nach Houdeng-Goegnies und steigt an der Haltestelle Houdeng-Goegnies Ascenseur aus. Am Kanal angekommen geht man diesen stromaufwärts entlang bis man auf das erste Schiffshebewerk stößt.

Ascenseur Nr.1 in Houdeng-Goegnies

Das Erste der 4 Schiffshebewerke überwindet einen Höhenunterschied von 15,397 m. Der gewaltige Bau aus Stahl und Ziegelsteinen von 1888 beeindruckt durch seine schweren Becken in denen die Schiffe mittels hydraulischer Pumpen auf und ab bewegt werden. Folgt man nun dem Verlauf des Kanals auf der rechten Seite, stößt man nach einigen 100 Metern auf die Baracken in denen die Gastarbeiter, vor allem italienische, unterkamen ehe ihnen eine Bleibe zugeteilt wurde. Hier, an der Cantine des Italiens, kann man auch elektrische Boote ausleihen, mit denen man einen Teil des Kanals erkunden kann.

Auf dem Weg zum zweiten Schiffshebewerk „flussabwärts“ trifft man auf viele alte Bauwerke aus der Blütezeit des Kanals und seiner industriellen Umgebung. Brücken, alte Zugstrecken und Wachhäuser sind auf der Strecke verteilt und zeugen von dem einstigen Treiben am Canal du Centre. Kurz vor dem Ortseingang von Houdeng-Ameriers erkennt man sehr gut, welche Baumaßnahmen geschaffen werden mussten um den Höhenunterschied aus zu gleichen. Hier liegt der Kanal auf gleicher Höhe wie die 2. Stockwerke der umliegenden Häuser. Ein kurzes Stück weiter führt der Kanal mitten durch den Ort. Autos nutzen immer noch die alte Drehbrücke um von einer auf die andere Seite des Kanals zu gelangen. Auch der Marktplatz vor der Kirche liegt malerisch direkt an Kanal und Drehbrücke. Nach einer scharfen Kurve erreicht der Kanal dann auch schon das zweite Schiffshebewerk.

Schiffshebewerk Nr.1. In dem Backsteinbau befindet sich der Maschinenraum.

Ascenseur Nr.2 in Houdeng-Ameriers

Das zweite Schiffshebewerk liegt nur knapp 350 m vor dem Dritten. Zusammen überwinden sie eine Höhe von 33,867 m (jeweils fast 16,5 m). Beide Bauten sind eben schlicht und funktional gehalten wie das Erste. Das gerade Stück Kanal zwischen Aufzug Nr.2 und Nr.3 ist von beiden Seiten mit einer Allee aus alten Bäumen gesäumt. Man kann hier auch gut erkennen, dass die Lastkähne früher teilweise noch von Pferden gezogen wurden, die die Wege entlang des Kanals benutzt haben. Auf diesem Teil des Kanals ist auch der Höhenunterschied, den die Hebewerke ausgleichen, gut sichtbar.

Schiffshebewerk Nr.2. Hier ist der Höhenunterschied von fast 17m auch im Umfeld gut zu sehen.

Ascenseur Nr.3 in Strépy-Bracquegnies

Ist man einmal an dem dritten Schiffshebewerk angekommen, geht man auf der rechten Seite direkt auf die Maschinenhalle zu. Die im Inneren der schönen Backsteintürme versteckten hydraulischen Zylinder sind ein Besuch wert. Die Maschinenhalle und eine Ausstellung zum Thema Hydraulik können hier besichtigt werden. Neben den alten Gebäuden befindet sich ein Restaurant und die Anlegestelle für Ausflugsboote. Hier besteht auch die Möglichkeit bei einer 2,5 stündigen Tour ein Schiffshebewerk bei der Arbeit zu bewundern.

Unterwegs zum letzten Schiffshebewerk trifft man erneut auf einige Schleusen und alte Dreh- und Zugbrücken, die teilweise immer noch in Gebrauch sind. Außerdem befindet sich auf diesem Teilstück einer der wenigen Kaimauern an denen Schiffe direkt vom Ufer aus be- und entladen werden konnten. Im Hintergrund ist auf dem Weg zum letzten Hebewerk immer wieder der kolossale Neubau des Schiffhebewerks von Strépy-Thieu zu erkennen. Dieser imposante Betonklotz ermöglicht seit 2002 Schiffen von bis zu 1350 Tonnen den Höhenunterschied von 73 m zu überwinden. Es ist eines der größten und modernsten Schiffshebewerke der Welt und täglich verkehren hier mehrere Ausflugsboote zur Besichtigung des Bauwerks.

Schiffshebewerk Nr.3 und links die Maschinenhalle mit einer Ausstellung über Hydraulik

Ascenseur Nr.4 in Thieu

Folgt man dem Kanal immer weiter erreicht man auch schon bald das vierte und letzte Schiffshebewerk. Auch hier wird eine Höhe von 16,933 m ausgeglichen. Ähnlich wie bei dem Ascenseur Nr.3 befindet sich direkt in der Nähe die Maschinenhalle mit den hydraulischen Pumpen. Außerdem liegt gleich neben dem Aufzug, bei der Mündung des Canal du Centre in den neuen Kanal der Charleroi mit Mons verbindet, ein kleiner Jachthafen.

Wenn man unter das Schiffshebewerk geht und der Straße weiter folgt, gelangt man nach wenigen hundert Metern zum kleinen Bahnhof von Thieu, an dem man die Heimreise antreten kann. Oder man geht die ganze Strecke wieder zurück, vielleicht auf der anderen Seite des Kanals, die man auf dem Hinweg nicht genommen hat.

Andy

4 Gedanken zu „Die Schiffshebewerke des Canal du Centre

  1. Huhuu!!
    Diese Wanderung klingt auch sehr interessant! Und sie ist sehr schön und anschaulich beschrieben. Ich bekomme sofort Lust, dorthin nach Hennegau zu fahren!
    Liebste Grüße und vielen Dank für die vielen schönen spannenden Infos!!! Ich freue mich schon darauf mehr zu lesen!!! ??????

    1. Hi René!

      Freut mich dass es dir gefällt :). Gute Idee auch mal was über Bier zu schreiben ;), freu mich schon auf die Recherchen dazu :D. Tips sind natürlich immer willkommen.

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